Surfen in Ghana

Ende April zog es mich mal wieder in unbekannte Gefilde. Diesmal das Ziel: Ghana. Verabredet war ich dort mit drei deutschen Freiwilligen, die ihr Volontariat in Ghana machen, um gemeinsam in Busua (ein kleines Dorf in der Western-Region Ghanas) den Strand zu genießen und etwas Surfen zu lernen.

Nachdem ich mich also erfolgreich um ein Visum für Ghana gekümmert hatte und mir erklären lassen hab, wie ich am besten von Lomé nach Accra (Ghanas Hauptstadt) komme, konnte es losgehen.

Die Grenzbeamten waren zwar etwas besorgt um mich, denn es sei ja nicht ganz ungefährlich für eine junge weiße Frau allein in einem unbekannten Land. Ich erklärte jedoch schnell, dass ich ja in Accra von Freunden erwartet werde und konnte so den besorgten Immigration-Officer beruhigen. Eine Impfausweis-Kontrolle später, konnte ich mit zwei neuen Stempeln im Reisepass ghanaischen Boden betreten.

Kaum ging ich ein paar Schritte, wurde ich schon regelrecht überrannt von Männern, die mir CFA (die Währung aus Togo und einiger anderer frankophoner westafrikanischer Länder) oder € gegen Cedi (ghanaische Währung) wechseln wollten. Da ich ja wirklich erst einmal etwas Bargeld bräuchte um mich bis nach Accra durchschlagen zu können, wechselte ich ca. 50€ zu einem einigermaßen guten Kurs. Anschließend kaufte ich mir noch eine ghanaische Sim-Karte, damit ich wieder Internet hatte und meinen Freunden in Accra später Bescheid geben konnte, wann und wo ich in Accra ankommen würde.

An der Taxi-Sammelstelle wurde ich dann regelrecht in ein Taxi nach Accra reingezogen. Der Preis stimmte jedoch und ich blieb sitzen. Bisher war im selben Taxi nur ein Chinese. Dieser hatte es scheinbar eilig und kaufte alle restlichen Taxi-Plätze auf, sodass es schnell losging. Für mich war das absoluter Luxus. Statt mir also jetzt mit drei Afrikanern die Rückbank zu teilen, hatte ich diese nun für mich allein. Die zweieinhalb stündige Fahrt verbrachte ich damit mich mit dem Chinesen über meine Zeit in Togo zu unterhalten und mir die ghanaische Landschaft anzuschauen. Schon relativ schnell konnte ich feststellen, dass Ghana offensichtlich wirtschaftlich Stärker als Togo ist. Die Straße auf der wir fuhren, war für das was ich kenne echt Top und es gab nur wenige Schlaglöcher. Auch die Häuser, die man ab und zu sehen konnte sahen, wohlhabender aus, als das was ich aus Togo gewöhnt war. Obwohl der richtige Kulturschock noch in Accra auf mich wartete.

Desto näher wir Accra kamen, desto westlicher sah alles aus. In Accra gab es richtige Standspuren und Über- und Unterführungen. Links und rechts von der Straße standen moderne Häuser und es gab sogar recht viele Hochhäuser. Motos hingegen konnte man kaum sehen und auch der Staub der in Lomé überall ist, war weniger.

Gegenüber vom Hauptpolizeirevier Accras lies ich mich absetzen. Vorher hatte ich schon eine Nachricht an meine Leute geschrieben und sollte nun dort auf sie warten. Nach kurzer Zeit fuhr schon hupend ein Auto an mir vorbei aus dem mir drei bekannte Gesichter winkten. Das Auto fuhr an den Rand und ich lud schnell meinen Rucksack ein und stieg ein.

Nachdem wir uns alle begrüßt und die wichtigsten News ausgetauscht hatten, eröffneten mir meine Freunde wohin es als nächstes ging. Unser Ziel war die Accra-Mall. Ja richtig in Accra gibt es (sogar mehrere) Shopping-Centren. Die Accra-Mall war tatsächlich, wie ein richtiges Shopping-Center in Deutschland und die Läden waren auch teilweise die gleichen. Es gab dort sogar einen PizzaHut und einen BugerKing (der allerdings erst eine Woche nach meiner Zeit in Ghana eröffnete). Im Supermarkt der Mall versorgten wir uns mit Getränken und Mittag- und Abendessen. Der Supermarkt war ebenfalls größer als die Supermärkte in Lomé und hatte eine riesige Bäckereiabteilung, einen Bereich in dem man fertiges, warmes Essen kaufen konnte und einen kleinen Stand an dem Frischkäse verkostet wurde (definitiv ein kleines persönliches Highlight). Es gab also neben einer Frischkäseprobe, Nudelauflauf, Teigtaschen, Kartoffeln und Eis mit Schlagsahne (!) und Himbeersoße.

Nach unserem Einkauf fuhren wir zu unserer Unterkunft für die eine Nacht. Glücklicherweise kamen wir in dem Haus einer deutschen Familie, die momentan für drei Jahre über „Brot für die Welt“ an der YMCA-Highschool in Accra arbeitet, kostenlos unter. Das Haus war auch wieder westlicher und deutscher als alles, was ich in den letzten 9 Monaten gesehen hatte und so erlebte ich in Accra meinen ersten und richtig heftigen Kulturschock.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Butre. In Butre hatten wir über AirBnB ein kleines Strandhaus gemietet um dort die kommende Woche zu verbringen. Mit dreimal umsteigen, kamen wir dann ca. sieben Stunden später, in dem kleinen verträumten Dörfchen an. Einen kurzen Fußmarsch, der uns über eine echt waghalsig zusammen gezimmerte Brücke und an einem traumhaften Strand mit türkisblauem Wasser vorbei führte, kamen wir dann unserem Häuschen an und wurden dort von dem Verantwortlichen für das Haus mit frischer Kokosnuss begrüßt.

Schnell wechselten wir unsere Klamotten zu Badesachen und sprangen erst einmal ins Meer. Die Wellen hauten mich zwar mehrfach um, trotzdem war das eine willkommene Erfrischung nach der langen Fahrt.

In den nächsten Tagen genossen wir also die wunderschönen Strände von Butre und Busua (Butres etwas größeres und touristischeres Nachbardorf) und lernten mehr oder weniger gut zu Surfen. Ich würde noch nicht behaupten, dass ich es ganz raus hab mit dem Surfen, aber nach der Woche konnte ich schon ab und zu auf den Weißwasserwellen stehen, und Spaß hat es mir allemal gemacht.

Da Busua recht bekannt für seinen tollen Strand ist, war es natürlich auch, wie bereits erwähnt touristischer und hatte einige tolle Restaurants mit sehr leckerem und trotzdem relativ günstigem Essen zu bieten, sodass wir uns nach dem Surfen immer gut stärken konnten.

Die Abende verbrachten wir allerdings meistens an unserem kleinen Häuschen und quatschten oder spielten Karten bei Bier oder GinTonic. Häufig kam auch abends noch einmal der für das Haus Verantwortliche vorbei, um nachzufragen ob alles in Ordnung sei und uns ein Paar Kokosnüsse zum Trinken zu geben. Einen Abend machte er uns sogar gemeinsam mit einem Freund ein Lagerfeuer am Strand und brachte uns zwei Lagerfeuerlieder auf einer afrikanischen Volkssprache bei.

Leider verging die Zeit in Butre viel zu schnell und nach einer knappen Woche hieß es wieder Abschied nehmen und mit dem Trotro (größeres Sammeltaxi) zurück nach Accra. In Accra verbrachten wir nochmal eine letzte Nacht im SomewhereNice, das wohl bekannteste Hostel in Ghana und was seine Berühmtheit absolut verdient hat.

Am letzten Morgen nach dem hervorragenden Hostelfrühstück, mit echtem Honig, Pancakes, Kokosaufstrich, Nutella, Obst, Smoothie und vielem mehr, hieß es dann wieder Abschied nehmen. Ich verabschiedete mich von meinen Freunden, Ghana und dem tollen Urlaub und fuhr zurück zur Grenze und schließlich auch wieder zurück in meine Wohnung in Lomé.

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