Weihnachten unter Palme

In den letzten Tagen haben mich viele Gefragt, wie denn mein Weihnachten, weit weg in Afrika, gewesen ist und wie man hier in Togo die Feiertage verbringt und genau diesen Fragen widme ich nun meinen neuen Blogartikel.

Da Weihnachten in Togo eh anders ist, als zu Hause, haben Alena (meiner Mitbewohnerin) und ich beschlossen, dass wir es dann auch ganz anders feiern können. Also stand der Plan schnell, dass wir gemeinsam mit Alenas Freund, der über die „Weihnachtsferien“ zu Besuch gekommen ist, zu Heiligabend an unserem Lieblingsstrand in einem, eigentlich für uns Volontäre zu teurem, Restaurant essen gehen wollen und so am Meer unter Palmen ein ruhiges Weihnachten feiern wollen.

Ruhe hatten wir auch echt nötig. Schließlich waren die letzten Arbeitstage vor Weihnachten der pure Stress im YMCA. Alena hatte gemeinsam mit Joėl eine Kinder-Bibel-Woche vorbereitet, das hieß das jeden Tag 500-700 Kinder im YMCA waren. Das Thema war „Joseph und seine Träume“ jeden Tag wurde ein Teil der Joseph-Geschichte vom Theaterclub (für den ich das Script geschrieben habe) aufgeführt, danach wurde darüber gesprochen, Lieder gesungen und gebetet und im Anschluss gab es noch verschiedene Spiele oder eine Schnitzeljagd und am letzten Tag kam sogar der Weihnachtsmann und hatte für alle Kinder eine Kleinigkeit als Geschenk dabei. Bei so vielen Kindern war natürlich allerlei Hilfe notwendig und so waren wir echt froh ein ruhiges Weihnachten zu verbringen.

Also haben wir Heiligabend uns ein leckeres Essen gegönnt, für mich gab es (wie eigentlich immer) Pommes und dazu einen leckeren frisch gegrillten Fisch und zum Nachtisch noch einen Crêpe mit Nutella. Gemeinsam liesen wir uns das Essen schmecken, redeten darüber, was wohl unsere Familien gerade machen würden und packten ein paar erste kleine Geschenke aus. Von Alena habe ich ein echt hübsches Armband und eine Packung Zimt bekommen.

Als ich dann abends wieder zurück in der Wohnung war, konnte ich endlich in Ruhe das riesige Packet von meinen Eltern auspacken. Neben DVD’s, dem neuen Marc-Uwe Kling Buch und einigen Anziehsachen die ich mir gewünscht habe, waren darin natürlich auch allerlei Süßigkeiten und Gebäck. So dass ich doch noch auf den Weihnachtlichen-Geschmack kam.

Den morgen des ersten Feiertages habe ich mir etwas Besonderes zum Frühstück gemacht. Normalerweise essen wir nämlich immer Haferflocken zum Frühstück und ich kann sie echt langsam nicht mehr sehen. Es gab Melone, Kekse und Baguette, dazu Saft und Tee. Ein richtiges Festmahl in meinen Augen. Dabei habe ich natürlich gleich einen der neuen Filme von meinen Eltern geschaut. Danach stand dann packen an, da es nach Weihnachten für mich nach Benin ging.

Am zweiten Feiertag kamen dann noch Laura und Saphira aus Atakpamé zu einer kleinen Voli-Weihnachtsfeier. Da haben wir uns nochmal selbstgebackene Plätzchen schmecken lassen und einen schönen weihnachtlichen Abend bei Kerzenschein verbracht. Bevor es dann am nächsten Morgen viel zu zeitig auf Reisen ging.

Mein togolesisches Weihnachten war zwar verglichen mit dem Trubel den es zu Hause immer an den Feiertagen gibt sehr ruhig und echt anders. Natürlich haben mir die ein oder anderen Sachen, wie zum Beispiel die Klöße meiner Mutter oder die original Nussecken von meiner Oma gefehlt, aber das werde ich ja alles noch hoffentlich so oft an den Feiertagen haben, dass ich auch dankbar dafür bin mal so ein anderes, ungewohntes, sonniges Weihnachtsfest gehabt zu haben.

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Ein sonniger Weihnachtsgruß!

Heute melde ich mich nur einmal ganz kurz: Nämlich um euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen. Mein Weihnachten wird dieses Jahr ein wenig anders aussehen als üblich. Wie genau ich mein togolesisches Weihnachten verbracht habe, werdet ihr sicher bald in einem neuen Blogartikel lesen!

Also genießt den Abend und die kommenden Feiertage! Lasst euch den Gänsebraten oder was es auch sonst bei euch zu Weihnachten gibt schmecken. Und da ich mich vor dem neuen Jahr sicher nicht noch einmal melden werde, weil es jetzt für mich auf Reise geht (wohin und was ich alles erlebe erfahrt ihr auch später auf meinem Blog), wünsche ich euch gleich auch noch einen guten Start ins neue Jahr und das 2018 euch all das bringt, was ihr euch erhofft.

Life-Update: 3 Monate Afrika

Wow, schon drei Monat sind rum! Für mich ist es irgendwie manchmal immer noch unglaublich, dass ich wirklich in Togo, in Afrika bin. Die letzten drei Monate sind echt, wie im Flug vergangen und trotzdem fühlt es sich schon wie eine kleine Ewigkeit an, die es her ist seitdem ich mich zu Hause, in Deutschland, von meiner Familie und meinen Freunden verabschiedet habe.

In den letzten drei Monaten habe ich allerhand gelernt und erlebt und auch wenn man jetzt schon das Gefühl haben könnte, man kennt Togo langsam kommen immer wieder neue Überraschungen, die mich zum Staunen bringen.

Natürlich ist das Leben hier ein ganzes Stück anders, als das was ich vorher gewohnt war. Aber auch, wenn ich es selber nie von mir gedacht hätte, ich kann mich glaube an ziemlich vieles schnell umgewöhnen. So bin ich dadurch, dass die Hähne aus der Nachbarschafft ab 5 Uhr Rabatz machen, hier zum richtigen Frühaufsteher hier geworden und schlafe selbst am Wochenende selten länger als bis 6 Uhr. Auch das Wäschewaschen per Hand habe ich mittlerweile einigermaßen drauf und, auch wenn mir Handgelenk und Finger danach wehtun, habe ich das Gefühl meine Sachen ziemlich sauber zu bekommen.

Oh, und das wichtigste mein Französisch ist glaube ziemlich gut geworden. Im Radio und Fernsehen versteh ich so ziemlich alles und auf dem Markt oder bei den Verhandlungen von Moto-taxen kann ich echt gute Preise rausschlagen.

An den Wochenenden bin ich häufig mit Alena oder Karla unterwegs. Wir waren in den letzten Monaten einige Male in verschiedenen Freibädern schwimmen und auch des Öfteren im Meer baden. Außerdem probieren wir hier gerne die vielen Restaurants aus und so kenne ich schon einige ziemlich gute Pizzerien und Eisläden in Lomé.

Gerne gehe ich auch auf den Grand Marché einkaufen. Am liebsten suche ich bei den viele bunten Stoffständen nach etwas geeignetem für meine neuen Kleidungsstücke. Mein Koffer füllt sich immer mehr und mehr mit den afrikanischen Stoffen.

Außerdem heißt jetzt bald, da das erste Viertel geschafft ist, umziehen in die WG. Auch wenn mir der Abschied von meiner Gastfamilie schwer fallen wird, freuen ich mich schon darauf mit Alena zusammen zu ziehen. Vor allem freu ich mich darauf wieder selber für mich kochen zu können (meine Liste mit Gerichten die ich kochen will ist schon ewig lang) und mehr Freiräume zu haben. So müssen ich mich nicht mehr an die, mit der Familie ausgemachte, Zeit halten, wann ich zu Hause sein soll und kann etwas spontaner sein, ohne dass sich meine Gastfamilie sorgen machen muss. Und es ist ja auch immerhin für mich das erste Mal, dass ich alleine wohne (Klar, ich hab schon 1-2 Wochen alleine in den Ferien das Haus gehütet, aber das zählt ja nicht richtig!) und darauf wie das so ist bin ich schon wahnsinnig gespannt.

Den Kontakt nach Hause halte ich überwiegend über WhatsApp und ab und zu über per Skype oder Telefonat. Damit ich auch immer Up-to-date über das Leben in Leipzig bleibe und das Heimweh klein bleibt. Generell bleibt bei meinen vollgepackten Tagen hier kaum Zeit für Heimweh, was nicht heißt, dass ich ab und zu mein zu Hause, meine Familie, meine Freunde und mein altes Leben  vermisse. Aber hier gibt es so viel Neues und so viel zu entdecken, dass ich glaube auch gut und gerne für ein Jahr auf das alles verzichten und mich auf mein kleines Abenteuer in Afrika einlassen kann.

Willkommen bei Familie Eho!

Die ersten 3 Monate meines Frewilligendienstes sind nun schon vorbei und das heißt nicht nur, dass auch bereits ¼ meines Jahres hier vorüber ist, sondern auch, dass ich bald von meiner Gastfamilie in die WG mit meiner Mitfreiwilligen Alena ziehe. Doch bevor ich umziehe denke ich sollte ich mal etwas von dem Leben in einer togolesischen Familie schreiben.

Seit Ende August wohne ich und bin auch gewissermaßen ein Teil der Familie Eho. Meine für togolesische Verhältnisse kleine Gastfamilie besteht aus dem Gastvater Hubert, er ist Präsident des YMCA in der Region Maritime und arbeitet an einer Schule als „Supervisor“, meiner Gastmutter Christine, sie ist Hausfrau und kann echt gut kochen, meinen Gastschwestern Gloria, sie ist 19 Jahre alt und studiert an einer Privatuni Jura, und Eunice, sie ist 17 Jahre alt und macht gerade ihr Abitur, und meinem Gastbruder Davide, er ist 12 Jahre alt und geht noch zur Schule. Meine Gastfamilie ist sehr gastfreundlich und deshalb bin ich nicht der einzige Gast dort. Neben mir wohnt noch, seit Anfang Oktober, Karla, eine britische Volontärin die für 10 Wochen in Togo ist.

An sich verläuft das Leben in meiner Gastfamilie nicht groß anders als in meiner Familie zu Hause. Das einzige was mir gleich als etwas anderes aufgefallen ist, ist dass meine Gastfamilie nicht gemeinsam isst. Am Anfang hat mich das echt etwas gestört, weil immer alleine zu essen sehr ungewohnt für mich war. Seitdem Karla da ist esse ich allerdings mit ihr und bin so nicht mehr ganz alleine beim Essen.

Das Haus in dem die Familie wohnt ist ebenerdig und hat nur ein Stockwerk. Es ist aber verhältnismäßig echt groß und so haben alle meine Gastgeschwister ein eigenes Zimmer. Gekocht und abgewaschen wird aber, wie in Togo üblich, unter freiem Himmel. Karla und ich wohnen in einem kleinen extra Haus neben dem Haupthaus. Wir haben den Luxus, dass wir beide jeweils ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad und fließend Wasser haben. An Möbeln gibt es zwar außer zwei Betten nicht viel mehr in meinem Zimmer, aber ich habe mir in meinen Koffern so eine Art Schrank angelegt und komme damit recht gut zurecht. Außerdem verzichte ich gerne auf einen Schrank, wenn ich dafür eine echte Dusche haben kann.

Der Garten meiner Gastfamilie ist auch echt groß und sie haben sogar zwei Mango- und drei Papayabäume im Garten stehen. Dadurch ist auch immer dafür gesorgt, dass Karla und ich viel frisches Obst essen können.

An den Wochenenden kommen auch oft Freunde von Hubert zu Besuch oder Hubert nimmt Karla und mich mit zu verschiedenen Veranstaltungen vom YMCA oder Familienfeiern. Ich hatte also schon das Glück zu insgesamt 3 Hochzeiten zu gehen. Sonntagabend übt dann immer der Chor aus einer benachbarten Kirche bei uns im Garten und bringt dazu seine eigene Liveband mit. Das macht immer echt Stimmung und ist als wäre eine kleine Party bei uns im Garten.

Besonders gut verstehe ich mit meiner jüngeren Gastschwester Eunice und Karla und so verbringen wir oft die Abende damit über unsere Leben in Togo, Deutschland und Großbritannien zu reden oder lassen uns von Eunice bestimmte Sachen die uns an Togo auffallen zu erklären. Die beiden sind echt gute Freundinnen für mich geworden und es bestehen schon Pläne, dass Karla und ich uns gegenseitig besuchen wollen.

Ihr seht als ich fühle mich echt wohl bei Familie Eho und auch wenn ich mich schon auf das WG-leben mit Alena freue, wird mir der Abschied nicht leicht fallen. Aber ich werde sicher in meiner verbleibenden Zeit hier in Togo meine Gastfamilie des Öfteren besuchen gehen.

Helene bei den Elefanten – Wochenendtrip nach Kara

Auch wenn Lomé eine riesige Stadt ist und ich noch lange nicht alles hier gesehen habe, hat mich in der letzten Woche mal wieder das Reisefieber gepackt. So haben Alena und ich uns spontan einen Urlaubstag auf den bevorstehenden Montag gelegt und beschlossen über dieses „verlängerte“ Wochenende nach Kara zu fahren. Für eine Unterkunft war schnell gesorgt, da in Kara zur Zeit ein deutsches Ehepaar (Sophie und Dominik) ebenfalls einen Freiwilligendienst im YMCA leistet und wir so mit bei den beiden in der Wohnung unterkommen konnten.

So klingelte also nach einer viel zu kurzen Nacht, die mehr aus Rucksackpacken als Schlafen bestand, am Samstagmorgen um 4.00Uhr mein Wecker, da der Bus der uns nach Kara bringen sollte bereits um 5.30Uhr abfuhr.  Mein Gastvater war so nett und hat mich und Alena mit dem Auto zur Poststation gebracht.

Für die Neun stündige Fahrtstrecke nach Kara haben wir uns zwei Plätze im Postbus gebucht. Der Postbus war im Gegensatz zu unserer Erwartung ein total moderner Bus, der sogar die Möglichkeit bot direkt an den Sitzplätzen die Handys zu laden. Also ein echter Luxusliner für Togo und das für gerade mal 5700 CFA! Das wir die moderne Technik im Bus bald verfluchen würden ahnten Alena und ich noch nicht als wir uns unsere Plätze im fast leeren Bus suchten.

Fast Pünktlich fuhren wir dann los. Kaum wurde jedoch der Motor gestartet, sprang auch die Klimaanlage im Bus an. Die Anfänglichen 25°C wurden schnell auf noch erträglich 20°C runtergekühlt, aber da war noch lange nicht Schluss. Die Klimaanlage kühlte den Bus immer weiter runter bis schließlich die Temperaturanzeige im Bus nur noch 13°C angab. Darauf waren Alena und ich mit unseren leichten Sommersachen nicht vorbereitet. Ich fragte also vorsichtig den Busfahrer ob es möglich wäre die Klimaanlage etwas herunter zu drehen. Als Antwort bekam ich nur: ,,Du bist Europäerin bei euch ist es noch viel Kälter! Das hier ist normal für dich!“ So setzte ich mich also bei normalen 13°C und in FlipFlops wieder auf meinen Platz und hoffte, dass die noch kommenden 8h schnell vergehen.

Während der Busfahrt sind wir an vielen Städten und Dörfern vorbeigekommen und man konnte so innerhalb von einem Tag Togo quasi im schnell durchlauf erleben. Besonders spannend fand ich dabei durch Sokodé zu fahren. In Sokodé waren die Proteste in den letzten Wochen ziemlich schlimm und es soll viele Tote gegeben haben. Wir sind zwar an einem ruhigen Tag durch Sokodé gefahren, trotzdem wahren dort noch an jeder Straßenecke Soldaten, was auf ich einen sehr einschüchternden Eindruck machte.

Nach 9h kamen wir also völlig durchgefroren im schönen Kara an. An der Bushaltestelle wurden wir auch gleich von Jol, einem Mitarbeiter vom YMCA in Lomé der zur Zeit Dominik und Sophie in Kara unterstützt, abgeholt und erstmal in die Wohnung gebracht. Nach kurzem ankommen und ein bisschen Unterhalten bei frischem Hibiskussaft ging es dann weiter auf den Grand Marché um dort genug zu esse für die kommenden Tage zu besorgen. Im Vergleich zu Lomé ist der Grand Marché jedoch eher Petite und so waren wir schnell fertig mit allen Besorgungen und Alena und ich konnten noch nach ein Paar traditionellen Stoffen schauen um uns noch mehr togolesische Kleidung schneidern zu lassen.

Direkt vom Markt aus fuhren wir zu einer kleinen Pizzeria in Kara. Der Betreiber und Koch dieser war Franzose und nach Togo gezogen. Warum hat er uns nicht erzählt, aber er schien als würde er Kara sehr mögen und so tippe ich darauf, dass er einfach nach Togo gezogen ist weil es ihm hier so gut gefällt. Bei einer echt guten Pizza und selbstgemachten Bananenlikör redete er mit uns über Europa und den Weihnachtsmarkt in Straßburg und wir fühlten uns kurz als seien wir nicht mehr in Togo sondern etwas näher an zu Hause ran. So konnte man den Abend noch gut ausklingen lassen.

Der nächste Morgen begann mit einem langen Frühstück mit selbstgemachten Joghurt und allerlei frischer Mango. Nach dem Frühstückt packten wir alle unsere Taschen für den Tag und schmierten uns noch Sandwiches für Unterwegs.

Mit Motos fuhren wir zur Taxi Sammelstelle und suchten uns dort ein Taxi, welches uns bis zu den Elefanten im Nationalpark bringen sollte. Nach langer Preisdiskussion fanden wir auch eines für einen halbwegs annehmbaren Preis und das Abenteuer konnte losgehen.

Erst einmal ging es auf der geteerten Straße los. Hier war es jedoch für mich schon spannend wie unterschiedlich die Landschaft in Kara ist. Währen Lomé noch sehr grün und feucht ist, ist es Kara wesentlich trockener und die Pflanzen sind dem entsprechend weniger grün. Nach 20 Minuten Fahrtzeit kamen wir zu einer Militärkontrolle. Nach kurzem Geplänkel mit den Soldaten durften wir von der geteerten Straße abbiegen und in den Nationalpark einfahren. Hier war die Straße schon einiges holpriger. Voller Staunen fuhren an dem 2 Meter hohen Savannengras vorbei und fühlten uns ein wenig wie auf einer Wildnissexpedition. Als sich plötzlich was im Gras neben dem Auto bewegte wurde unser Fahrer langsamer und wir sahen noch kurz wie zwei Antilopen vor unserem Auto wegrannten. Im ersten Moment dachte ich: ,,Oh wie schön zwei Rehe!“ kurz danach fiel mir jedoch wieder ein, dass ich ja in Afrika bin und das keine Rehe sondern Antilopen sind.

Mit rasantem Tempo fuhren wir weiter über die Huckelpiste. Alena meinte noch in einem Moment: ,,So schnell wie der fährt, müssen wir echt beten, dass das Auto das  aushält!“ und schon  passierte es. Es rumste einmal laut, das Auto fing an hin und her zu schlingern und dann blieben wir abrupt stehen. Unser Fahrer fing an auf Kabye zu fluchen und stieg aus. Wir blieben Regungslos im Auto sitzen. Unser Fahrer inspizierte das Auto und fragte, ob unsere Handys empfang hätten. Hatten sie natürlich nicht. Wir stiegen aus und inspizierten das Autoebemfalls. Das rechte Vorderrad stand total verdreht da. Kurze Angst machte sich in uns breit. Wir fragten uns wie es jetzt weitergehen soll. Die Sonne brannte furchtbar und wir wussten nicht wie weit es noch bis zur Forststation war. Der Weg zurück zu der Militärkontrolle war auf jeden Fall sehr weit.

Plötzlich kam jedoch unsere Rettung. Der Zufall wollte, dass gerade in dem Moment ein Moto von der Forststation auf unserer Strecke uns entgegen kam. Er sah unser gestrandetes Auto und fuhr zurück zur Station um Hilfe zu holen. Einige Minuten später kam schon ein großer Jeep angefahren und wir wurden auf seiner Ladefläche stehend zu den Elefanten gebracht während jemand anderes mit unserem Taxifahrer begann das Auto zu reparieren.

Kaum sahen wir die Elefanten war der ganze Stress vergessen. Ich hatte zwar im Zoo schon einige Male Elefanten gesehen aber ohne Zaun dazwischen ist es doch nochmal ein anderes Gefühl. Vor solchen riesen Tieren muss man einfach Respekt haben. Nach kurzem aneinander gewöhnen hatte ich jedoch auch den Mut die Elefanten zu streicheln und Fotos zu machen. So eine Elefantenhaut fühlt sich sehr seltsam an. Man hat das Gefühl sie ist so hart und krustig, dass nichts das Riesentier verletzen kann.

Nach genügend Zeit bei den Elefanten gingen wir zurück zu der Forststation um dort in Ruhe unsere Sandwiches zu essen und auf unser Taxi für den Weg zurück zu warten.

Unseren zweiten und letzten Abend in Kara verbrachten wir damit togolesisch zu kochen. Es gab Kochbananen (mittlerweile eines meiner Lieblingsgerichte) und Reis mit togolesischer Soße.

Am nächsten Morgen blieb leider nicht mehr viel Zeit uns so aßen wir gemeinsam Frühstück, danach packten Alena und ich noch schnell unsere restlichen Sachen zusammen und wir mussten uns wieder von Sophie, Dominik und Jol verabschieden.

Da an Montagen kein Postbus von Kara nach Lomé fährt mussten wir diesmal eines der typischen Buschtaxis nehmen. Ich war eigentlich ganz froh darüber mit so einem alten Minibus ohne Klimaanlage zu fahren, da mein Hals immer noch von der Hinfahrt kratzte. Das Buschtaxi war bis auf den letzten Platz besetzt und das Gepäck wurde mehr oder weniger sicher auf dem Dach verstaut. Hinter mir saß eine Frau mit lebendigem Huhn auf dem Schoß. Es klingt wie in einem Klischee, war aber real. Und so fuhren wir mit offenem Fenster zu den Klängen von lauter Reggeamusik einmal längs durch Togo zurück nach Lomé.

 

 

Einmal raus aus Lomé – Ausflug nach Togoville

Nachdem meine Mitfreiwilligen und ich an den letzten Wochenenden Lomé erkundet haben, wurde es für uns Zeit mal wieder die große, laute, stickige Stadt zu verlassen und etwas mehr vom Land zu erkunden. Diesmal ging unser Ausflug an der togolesischen Küste entlang, auf der Straße die Richtung Osten aus Lomé heraus nach Benin führt, nach Togoville.

Morgens gegen 9.00Uhr wurde ich von einem Taxi, direkt zu Hause abgeholt. Im Taxi saß bereits Laura und der Taxi-Fahrer war ein Freund eines Kollegen vom YMCA. Für 6.000CFA pro Kopf, also umgerechnet schlappe 10€, fuhr uns der Taxifahrer in das ca. 1,5h entfernte Togoville am LacTogo, sollte uns durch das Dorf führen und schließlich wieder am späten Nachmittag nach Hause fahren. Dass der Plan so zu einfach war, hätte uns gleich auffallen sollen. Aber dazu später.

Nachdem wir noch Alena und Saphira eingesammelt hatten, ging es auf der Küstenstraße nach Togoville. Es war, wie immer sehr warm im Auto, aber sobald wir Lomé verlassen hatten, merkten wir vier sofort, dass die Luft außerhalb von Lomé um einiges besser war und nicht mehr ganz so sehr nach Abgasen stank. Nach einer kurzweiligen Fahrt erreichten wir den LacTogo. Unser Fahrer fuhr nun von der Straße ab und näher an den riesigen See heran.

An einer kleinen Einbuchtung standen vor dem Wasser ein paar Männer und montierten an zwei im Wasserliegenden Pirogen (Einbäume) Mast und Segel. Wobei die Segel aus aneinander genähten, alten Reissäcken bestanden. Zu einem Ausflug nach Togoville gehört es klassischerweise den See mit dem Boot zu überqueren. Unser Taxifahrer erklärte uns, dass er derweile mit dem Auto die Straße um den See nutzen würde und wir uns dann an der Kapelle in Togoville wieder treffen würden.

Bevor wie die Pirogen betraten musste jedoch noch der Preis verhandelt werden. Da man durch unsere helle Haut sofort sieht, dass wir nicht aus Togo kommen und die meisten Togolesen mit heller Haut auch Reichtum und Wohlstand assoziieren, werden wir hier bei solchen Sachen immer gerne übers Ohr gehauen. So auch diesmal. Wir bezahlten trotz Verhandlungsversuche einen viel zu hohen Preis für die halbstündige Bootsfahrt, aber dies sollte uns nicht weiter stören.

Auf dem kleinen Boot fuhren wir dann also, zur anderen Seite des LacTogos. Es war eine ganzschöne Wackelpartie und wir alle waren froh, dass an diesem Tag nur ein leichter Wind blies.

Kurz bevor wir das Ufer erreichten, kam dann die nächste Überraschung. Vier stämmige Männer kamen auf das Boot zugelaufen und hebten Laura, Alena, Saphira und mich ohne Vorwarnung aus dem Boot heraus und trugen uns den restlichen Weg bis ans Ufer, damit das Boot nicht so schwer auf den Steinen aufliegt, wie man uns später erklärte.

Am Ufer bleib jedoch keine Zeit uns von diesem Schreck zu erholen. Erneut kam eine Truppe Männer auf uns zu. Sie waren Stadtführer und baten uns an uns durch Togoville zu führen. Während ich noch damit beschäftigt war die Träger vom Boot, welche unbedingt ein Geschenk von mir wollten, abzuwimmeln, schafften es Laura, Saphira und Alena die Stadtführer loszuwerden und unsere Besichtungstour durch Togoville konnte starten.

Als erste liefen wir zur Kapelle, um dort wie ausgemacht auf unseren Taxifahrer zu warten. Auf dem Weg dorthin merkten wir jedoch schnell, dass zwei der Stadtführer uns scheinbar verfolgten. Die Kapelle, war von außen eher schlicht und echt klein für Togolesische Verhältnisse, von Innen waren ihre Wände mit allerlei Gemälden geschmückt. Besonders oft sah man Bildnisse der Heiligen Jungfrau Maria. Angeblich ist diese nämlich einmal über dem LacTogo gesichtet wurden und seitdem gilt Togoville als eine Pilgerstätte für viele afrikanische Christen.

Das Außengeländer der Kapelle, war auch beeindruckend. Es gab unzählige Sitzbänke mit Blick zu einem Blauen Altar und einer Marienstatur. Dahinter konnte man den LacTogo sehen. Wir setzten uns, nachdem wir uns ausführlich die Kapelle angeschaut hatten auf eine der Bänke und warteten auf unseren Taxi-Fahrer. Aber auch hier waren wir unsere Beobachter vom Strand noch nicht los.

Nach einiger Zeit erreichte auch unser Fahrer Togoville und fand uns ziemlich schnell. Kaum wollten wir losstarten die Stadt zu erkunden, kamen unsere Beobachter wieder an und begannen eine Diskussion auf Ewe mit unserem Taxifahrer. Wir verstanden natürlich kaum ein Wort dieser Diskussion und mussten nach Fragen was Sache ist. Unser Fahrer erklärte uns, dass es wohl eine neue Regel gäbe und man als Tourist nichtmehr eigenständig Togoville besichtigen dürfe, sondern auf einen Stadtführer von vor Ort angewiesen ist. Selbst unser Taxifahrer hatte zwar noch nie von dieser Regelung gehört aber wir ließen uns auf einen der beiden Beobachter als Stadtführer ein und es konnte endlich losgehen.

Unser Weg führte uns zuerst zu einem in Kolonialzeiten von den Deutschen erbauten Brunnen, dann zu einem Denkmal der Deutsch-Togolesischen Freundschaft, zu zwei Schulen, einem Vodoofriedhof und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten. Togoville ist sehr stark vom Vodooglauben geprägt und so sahen wir allerhand Vodooschreine vor den Wohnhäusern und andere Symbole dieser Glaubensrichtung. Besonders eindrucksvoll war für mich der Zwillingsbaum, an dem der ältesten Rat von Togoville wohl heute noch bei Straftaten richtet. Außerdem sahen wir die Stelle an der immer mittwochs in Togoville der Tauschmarkt stattfindet. Die meisten Dinge werden nämlich in Togville nicht gegen Geld erworben, sondern durch das Tausch bestimmter Waren.

Außerdem sahen wir noch die Behausung der Königsfamilie Mlapa, deren Vorfahre damals den Vertrag mit dem deutschen Kolonialherren Nachtigall zur Kolonialisierung Togo unterschrieben hatte.

Unser Stadtführer jedoch zeigte während seiner Tour immer wieder, dass sein Wissen über Togoville eher begrenzt war. So antwortet er auf die Frage, wie alt eine der zwei Schulen sei nur mit „Sehr alt, sehr alt!“ und auch bei erneutem Nachfragen erhielten wir nicht mehr Information als, dass diese Schule nun mal sehr alt sei. Auch bei einer Kanone (siehe Bild) meinte er, dass diese aus dem Zweiten Weltkrieg von den Deutschen stamme. Als wir fragten was die Deutschen noch zum Zweiten Weltkrieg in Togo wollten, da sie ja eigentlich Togo nach dem Ersten Weltkrieg an Frankreich abgetreten hatten, wusste er ebenfalls keine Antwort.

Nach diesem anstrengenden und eindrucksvollen Tag, den wir durch die sengende Hitze viel zu Fuß gelaufen waren, versorgten wir uns noch mit zwei gezuckerten Broten (ein wenig wie Milchbrötchen) und Bananen, verabschiedeten und von unserem „Stadtführer“ und fuhren mit unserem Taxifahrer am See entlang durch eine herrliche Landschaft zurück nach Lomé.

Was ist los in Togo?

Togo spielt in der deutschen Nachrichtenwelt kaum eine Rolle, da aber anscheinend trotzdem einige von euch von der unruhigen politischen Lage in Togo gehört haben, möchte ich diesmal versuchen die politischen Unruhen aus meiner Sicht zusammen zufassen.

Seit meiner Ankunft in Togo gibt es immer wieder in verschiedenen Städten Togos (vor allem in Lomé und Kara, den beiden Universitätsstädten) große Demonstrationszüge gegen den aktuellen Präsidenten Faure Gnassingbé. Faure Gnassingbé ist der Sohn des ehemaligen Diktators von Togo und regiert mehr wie ein Diktator als ein Präsident.

Der Unmut über die togolesische Politik wächst schon seit Jahren. Die Menschen hier sehnen sich nach politischer Veränderung. Die Rufe nach Meinungs- und Pressefeiheit werden immer lauter und die Togolesen wollen auch eine bessere Verteilung der Staatsgelder. Warum ausgerechnet jetzt die Unruhen so groß sind kann man nicht genau erklären. Die letzten Wahlen waren 2015 und die nächsten stehen erst in 2 Jahren an, weshalb dies kein Grund für die Aufstände sein kann.

Das Problem bei den Aufständen ist, dass sie immer gewaltvoller werden und es sowohl auf Seiten der Armee als auch unter den Demonstrierenden schon Tote gab. Beide Seiten werden auch immer aggressiver. Für mich und meine Mitfreiwilligen heißt es deshalb an den Demotagen Hausarrest. Das Stadtviertel in dem ich wohne (Adidogomé) ist zwar etwas außerhalb von Lomé und auch recht sicher während der Demonstrationen, trotzdem gab es auch schon Tage an denen in Adidogomé Tränengas eingesetzt wurde. Ich sitze dann meist 2 Tagen in der Gastfamilie fest und versuche mich mit Malen, Zeichnen, Briefeschreiben und anderen Dingen abzulenken.

Leider wird auch meist in den Wochen in denen Demonstrationen sind das Internet in ganz Togo abgestellt und der Telefon- bzw. SMS-Kontakt ins Ausland geblockt, um zu verhindern das Informationen und Videos von den Demonstrationen nach außen gelangen. Weshalb wir Freiwilligen bei den ersten Demotagen nicht mal die Möglichkeit hatten, uns an diesen Tagen mit Telefonaten nach Hause die Zeit tot zuschlagen. Mittlerweile hat mir jedoch ein Mitarbeiter vom YMCA eine App heruntergeladen mit der ich über den Server eines anderen Landes ins Internet komme und so kann ich wenigstens WhatsApp nutzen, wenn ich schon nicht das Hausverlassen darf.

Oft wurde ich schon gefragt, ob mir die Aufstände und die unruhige Situation Angst machen. Aber ich kann ehrlich sagen, dass ich mich während der Demonstrationen sicher fühle. Ich denke, dass wenn ich mich an die Regeln, die der YMCA und meine Gastfamilie für die Demotage geben, halte, mir nichts große passieren kann und ich weiß auch, dass wenn die Situation zu Gefährlich für uns Freiwillige werden würde, der YMCA uns nach Hause, nach Deutschland schicken würde und solange dies nicht geschieht, bin ich sicher aufgehoben. Außerdem hält uns die Deutsche Botschaft in Togo mit E-Mails immer auf dem Laufenden über die Sicherheitslage im Land. Also kein Grund zur Sorge.

Eine Frage die sich mir nur immer wieder stellt ist: „Was würde mit Togo passieren, wenn man den Präsidenten stürzt?“ Ich persönlich wünsche mir für Togo eine politische Veränderung und damit natürliche eine Verbesserung der Situation vieler Togolesen. Aber ob diese positive Veränderung durch einen Machtwechsel kommt ist fraglich. Momentan ist Togo eines der sichersten Westafrikanischen Länder, nicht um sonst werden nur nach Togo im französischsprachigen Teil Westafrikas Weltwärts-Freiwillige aus Deutschland entsandt. An jeder Ecke sieht man hier Soldaten, die Kriminelle abschrecke sollen, und auch die strenge Regierung mit ihrem skrupellosen vorgehen, verhindert viel Terrorismus und Gewalt. Auch wenn Togo, also aus deutscher Sicht kein sehr sicheres Land ist, ist es aber aus westafrikanischer Sicht ein sicheres Land. Würde man jetzt, jedoch die Regierung stürzen gäbe es wahrscheinlich, ähnlich wie in den arabischen Ländern nach dem „arabischen Frühling“, viele Unruhen, da alle verschiedenen politischen und ethnischen Gruppierungen des Landes nach möglichst großen Machtanteilen streben würden und darunter könnte mit großer Wahrscheinlichkeit die Sicherheit im Land leiden. Es ist also ein schwieriges Thema und viele Togolesen mit denen ich mich unterhalten habe, wissen selbst nicht was schlimmer wäre, weiterhin Faure Gnassingbé als Präsidenten oder ein Machtwechsel mit großen Ungewissheiten.

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Malen, mein lieblings Zeitvertreib während der Demotage