Beninreise Teil 4: Ein Fleckchen Paradies

Nach dieser zweiten schlaflosen Nacht, wollten wir nur noch weg von dieser Auberge. Wir hatten Cotounou satt und es war sowieso unser Plan gewesen am Ersten weiter nach Ouidah zu reisen.

In einem kleinen, natürlich überfüllten Taxi fuhren wir also an der Küste entlang zu unserem letzten Reiseziel, Ouidah. Laut Reiseführer ein von der Kolonialisation und dem Sklavenhandel stark geprägtes Dorf, an dem uns traumhafte Strände und ein Vodoo-Tempel erwarten sollten.

In Ouidah angekommen liesen wir uns erneut von Mototaxen zu unserer Unterkunft bringen. Diesmal waren wir allerdings die Sache nicht so unüberlegt angegangen, sondern hatten uns im Vorhinein eine günstige Unterkunft im Reiseführer ausgesucht und hofften, dass diese noch 3 Betten frei hatte und wirklich so schön wie beschrieben.

Die Motos verliesen die große geteerte Straße und fuhren über eine Huckelpiste immer weiter weg von der großen Straße und weiter in den Dschungel hinein. An einer kleinen Art Garten machten sie halt und meinten wir wären da.

Wir betraten den Garten und konnten unser Glück kaum fassen.  Nach dem stressigen und lauten Cotounou wirkte dieser Garten, wie ein kleines Paradies. Gleich kam der französische Besitzer des „Jardins Secret“ auf uns zu. Leider war das Zimmer für drei Personen schon belegt, aber er konnte uns für den selben Preis zwei Doppel-Zimmer anbieten. Natürlich nahmen wir das Angebot dankend an.

Während wir unsere Zimmer also fertig gemacht wurden, liesen wir uns im Garten nieder, tranken einen frisch gepressten Orangensaft und erholten uns von der letzten Nacht. Aber natürlich wollten wir nicht den ganzen Tag mit Pause machen „verschwenden“ und rappelten uns so am Nachmittag wieder auf um den Ort zu erkunden. Der Reiseführer versprach uns ja schließlich einen Python-Vodoo-Tempel, einige alte Kolonialgebäude und eine vom Papst Johannes Paul II eingeweihte Basilika.

Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel, dem Python-Tempel bemerkten wir schon, dass wir und nicht mehr in einer Touristenhochburg befanden. Wir als drei weiße, junge Frauen vielen auf. Viele Köpfe drehten sich nach uns um und wir wurden noch mehr angequatscht, als wir es schon gewohnt waren. Aber davon liesen wir uns nicht stören. Schließlich waren wir alle drei schon total Neugierig auf das was Ouidah zu bieten hat. Im Python-Tempel hatten wir das Glück einen echt guten Guide zu erwischen. Er erklärte uns viel über den Vodoo-Kult, was die Pythons mit diesem Glauben zu tun hatten, was Python insbesondere in Ouidah für eine Rolle spielten und beantworte auch geduldig all unsere Fragen, so dass wir an diesem Nachmittag vieles neues über Vodoo lernen und verstehen konnten. Vodoo ist nämlich nicht das was die meisten denken, dass man bei diesem Glauben Nadeln in Puppen steckt um anderen schmerzen zuzuführen. Vodoo ist eine Naturreligion, in der verschiedene Götter existieren und deren Anhänger ihre Götter mehrheitlich um positive Sachen bitten.

Nach diesem Ausflug spazierten wir noch etwas durch Ouidah, sahen dabei einige Kolonialherrenhäuser und die Basilika von Ouidah. Nachdem unsere Beine Müde geworden waren, setzten wir uns in ein kleines Restaurant um uns zu stärken. Dort hatten wir wieder einmal eine total offene, fröhliche Afrikanerin als Wirtin, mit der wir lang und aufgeweckt über Afrika, Europa und das Leben lachten.

Nach diesem schönen entspannten Tag viel ich abends in einen wunderbar erholsamen Schlaf, wie ich ihn seit gefühlt einer Ewigkeit nichtmehr hatte.

Am Nächsten Morgen war leider schon mein letzter Urlaubstag angebrochen. Zum Ende der Beninreise schauten wir uns noch den Strand von Ouidah an. Von diesem Strand aus wurden zu den Zeiten des Dreieckshandel tausende Afrikaner als Sklaven nach Amerika verschifft. Anlässlich dieser schrecklichen Geschichte hat man an Ouidahs Strand ein großes Denkmal erbaut. Dieses Denkmal wollten wir besichtigen und anlässlich uns noch etwas Meeresluft um die Nase wehen lassen.

Nach der erholsamen Zeit an Ouidahs wirklich traumhaften Strand gingen wir zurück zur Unterkunft, damit ich dort meinen Rucksack nehmen kann und mir danach ein Taxi zurück nach Lomé suchen kann.

Zufälligerweise war gerade als ich aufbrechen wollte ein togolesisches Ehehpaar am Hotel, die anboten mich in ihrem Auto mit nach Lomé zu nehmen. Das war natürlich komfortabel und ich nahm das Angebot dankbar an. Nach dem ich mich von meinen beiden Reisekompanen Laura und Saphira verabschiedet hatte ging es also zurück nach Togo.

Jedoch war die Rückreise doch nicht so ruhig wie geplant. Unterwegs entschied sich der Fahrer meines Autos dazu, gegen Bezahlung Menschen am Straßenrand zu ihrem gewünschten Ziel mit zunehmen. Jedoch war das Auto natürlich kein registriertes Taxi und wie es der Zufall will, war die Polizei gerade in der Nähe und sah wie diese Leute mit ins Auto stiegen. Plötzlich ging alles sehr schnell. Der Fahrer schimpfte auf Ewe, trat kräftig auf Gas und die Leute auf der Rückbank drehten sich immer wieder um, um nach der Polizei Ausschau zu halten. Knapp fuhren wir der Polizei davon. Das war sie also gewesen meine erste Verfolgungsjagd mit der Polizei und das mitten in Afrika.

Am Grenzübergang verlief alles wie bereits von der Einreise nach Benin bekannt ruhig ab. Meine Visa waren korrekt und ich durfte wieder zurück nach Togo einreisen. Allerdings musste ich als „Ausländerin“ durch eine andere Passkontrolle, als mein Fahrer und so verlor ich ihn samt Auto. So stand ich da also. Nur mit meinem Handy und Reisepass in der Hand, ohne Geld und Rucksack. Ewig suchte ich verzweifelt die togolesische Seite des Grenzübergangs ab, lief mehrmals den Parkplatz hoch und runter. Aber keine Spur von dem Auto, geschweige denn von meinem Rucksack. Ich muss wohl einen ziemlich verzweifelten Eindruck gemacht haben, wie ich das alleine hin und her lief, und so kam schließlich ein Polizist zu mir und fragte ob es Probleme gäbe. Ich erklärte ihm mein Problem und schon fing er an zu Grinsen. Er deutete auf die Straße und meinte 100 Meter weiter wäre ein anderer, größerer Parkplatz und ich solle dort mal nach dem Auto schauen. Also lief ich dort hin und gleich eins der ersten Autos war das richtige. Mir fiel ein riesiger Stein (regelrecht ein Findling) vom Herzen und ich konnte nun ohne weitere Vorkommnisse zurück nach Lomé fahren.

Und hier sind wir am Ende meiner große Beninreise angelangt. Sie war vielleicht nicht wahnsinnig lang, aber ich habe während dieser Reise viel sehen können. Ich war auf meiner ersten Safari (was definitiv eins meiner Highlights meiner Zeit hier in Westafrika ist), habe ins Neue Jahr gefeiert und wieder einmal ganz viele nette, hilfsbereite Menschen kennen lernen können.

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