Beninreise Teil 3: fast wie Europa

Wie bisher jeden Tag unserer Reise klingelte auch am 30. Unser Wecker wieder viel zu zeitig. Schließlich mussten wir pünktlich den Postbus nach Cotounou erwischen. Also packten wir wiedermal noch halbschlafend unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg.

Netterweise hatte uns Akim angeboten und morgens abzuholen und zum abfahrtspunkt des Postbusses zu fahren. Zu so einem Angebot konnten wir natürlich nicht „Nein“ sagen und so stand Akim wieder mal pünktlich und gut gelaunt, wie immer, mit seinem Auto vor dem Hotel.

Am Bus kauften wir uns noch schnell ein Paar Croissants für die Fahrt und die Reise einmal längs durch Benin vom Norden bis an die Küste konnte losgehen.

Die Fahrt war mit über 12 Stunden mit nur einer 10 minütigen Pause zwar echt lange und anstrengend, aber durch das gratis W-Lan im Bus konnte ich die Zeit gut nutzen um mich einmal bei all meinen Freunden und Familienmitgliedern zu melden und endlich mal wieder neue Musik downzuloaden.

Landschaftlich unterscheidet sich Benin eigentlich kaum von Togo und auch die kleinen Dörfer, durch die wir gefahren sind hätten genauso gut in Togo sein können. In Cotounou jedoch merkten wir recht schnell einige Unterschiede zu Togo. Auf den Straßen war gefühlt noch mehr los als Lomé, Mototaxen waren gekennzeichnet durch neongelbe Westen die die Fahrer trugen, es gab viel mehr geteerte Straßen und auch viele mehrgeschössige Häuser. Insgesamt merkte man in Cotounou schnell, dass Benin ein wohlhabenderes Land als Togo ist, was wohl auch an der besseren politischen Situation Benins liegt.

Da wir bis zu unserer endgültigen Ankunft in Benin uns noch keine Gedanken gemacht hatten, wo wir die nächsten zwei Nächte schlafen würden. Fragten wir an der Busstation mitten irgendwo im riesigen Cotounou eine Ordensschwester, ob sie vielleicht wüsste wo wir drei möglichst günstig, noch so spontan eine Unterkunft finden würde. Sie empfahl uns eine Auberge (sehr einfach Unterkunft), die wohl zu einem katholischen Orden gehören würde und kümmerte sich sogar netterweise darum den Motofahrern den Weg dahin zu erklären.

An der Auberge angekommen fanden wir allerdings keine Person, die sich für die Auberge verantwortlich fühlte und nach langem Suchen mussten wir aufgeben und uns doch noch nach einer anderen Unterkunft umsehen. Da wir ja nicht einmal annähernd eine Idee hatten, wo genau in Cotounou wir uns befanden, fragten wir kurzerhand unsere Motofahrer ob sie vielleicht eine Auberge in der Nähe kannten. Wir hatten Glück und einer kannte eine.

Diese Auberge zu der wir nun gebracht wurden befand sich direkt über einer Bar. Da wir viel zu Müde waren um noch weiter zu suchen. Namen wir einfach ohne nachzudenken das Zimmer. Dass dies wohl der größte Fehler unserer Reise werden sollte ahnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht.

Nach dem wir unsere Rucksäcke im Zimmer abgestellt und uns kurz erholt hatten, zog es uns drei noch einmal auf die Straßen von Cotounou. Wir spazierten ein wenig durch das Viertel in dem wir uns befanden und aßen in einer kleinen Bar Reis mit Tomatensauce.

Abend kam dann jedoch die Überraschung. Die total übersteuerten Musikboxen der Bar waren direkt unter dem Fenster unseres Zimmers angebracht. Selbst mit Oropax war die Musik noch wahnsinnig laut. Wir fühlten uns, als ob wir direkt auf der Tanzfläche schlafen wollten und das ganze Bett wackelte von der Musik. An Schlaf war nicht zu denken und so verbrachte ich eine wahnsinnig unruhige Nacht in der ich nur ab und zu kurz wegdämmerte.

Aber diese furchtbare Nacht sollte uns nicht von unseren Plänen für den kommenden Tag abhalten. Wir wollten nach Ganvié fahren. Ein Dorf, was in einem See bei Cotounou erbaut wurd, und quasi auf Stelzen steht. Stolz nennen es die Beniner „das Venedig von Westafrika“. Das dieser Titel wohl etwas optimistisch war, war uns von Anfang an bewusst. Trotzdem waren wir auf dieses besondere Dorf gespannt.

Mit einer Piroge fuhren wir vom Hafen, durch den See, in das Dorf. Im See sahen wir viele Fischer und schon einzelne kleine Hütten. Diese einzelne Hütten befanden sich meist dort, wo vorher Baumstämme oder Palmenwedel in den Grund des Sees gesteckt wurden und jetzt aus dem Wasser herausragten. Unser Guide erklärte uns, das diese in den Grund gesteckten Pflanzen mit der Zeit verrotten und so den Fischen als Nahrung dienen. Außerdem markierten so die Fischer ihre Gebiete. In den Hütten sitzen dann die Fischer und passen auf, dass kein anderer Fischer kommt und in ihrem Gebiet die Fische klaut.

Das Dorf selber war ziemlich Bunt, da viele Familien ihre Holzhäuser bunt anmalen. Es gab auf dem Wasser sogar eine Bar, einen Souvenirshop, ein Hotel, mehrere Kirchen und einen Schulkomplex. Außerdem gab es an einer Stelle eine aufgeschüttete Fläche die sogar mit Grasbewachsen war. Unser Guide meinte, man hätte diese „Insel“ angelegt, damit die Kinder besser laufen können, da der Platz in den Hütten häufig dafür nicht ausreicht.

Auch einen Markt gibt es in Ganvié. Er ist mehr eine unbebaute Fläche, zu der viele Frauen mit ihren Pirogen fahren, um dann dort mit Obst, Gemüse, Medikamenten und anderen Produkten zu handeln. Für mich sah dieses Handeln nach einer ziemlich wackeligen Angelegenheit aus, aber unser Guide meinte, dass die Kinder in Ganvié oft schon mit5 Jahren eine eigen Piroge bekommen würden, also waren die Frauen wohl gut in Übung.

Nach diesem spannenden Ausflug nach Ganvié fuhren wir kurz zurück zu unserer Auberge um uns Badesachen anzuziehen und ein paar Sachen zusammen zupacken. Wir wollten noch ein letztes AMl in 2017 ans Meer.

In einem Reiseführer hatten wir von einem Hotel gelesen an dem es wohl einen sicheren Strandabschnitt gebe. Die Motos kannten dieses Hotel und brachten uns dorthin. Der Reiseführer hatte nicht zu viel versprochen und wir waren an einem echt schönen Badestrand und genossen dort den Nachmittag.

Nach genügend Zeit im Strand ging es noch einmal zurück zum Hotel, wo wir uns für den Abend fertig machten. SChließlich war es der 31. und somit Sylvester. Der Plan bestand darin in eine Pizzeria zu gehen und anschließend in einer Bar ins neue Jahr zu starten.

Die Pizzeria war echt unglaublich schön und die Pizza war fast wie in Europa und um Längen besser als die Pizzen, die ich aus Lomé kenne. Die Pizzeria befand sich in einem wohl sehr noblen Viertel von Cotounou und so erkundeten wir nach dem guten Abendessen noch ein wenig die Straße. Es reihte sich ein hübsches Restaurant ans Nächste. Alle Restaurants waren westlich eingerichtet und man hätte auch genauso gut in einer europäischen Touristenstadt durch die Straßen laufen können. Das erste Mal seit meinem Abflug merkte ich nicht, dass ich eigentlich in Afrika bin. Nachdem wir uns noch in einer süßen Eisbar richtig leckeres Eis (für mich in Oreo-Geschmack) gegönnt hatten, fuhren wir weiter in eine Bar um dort Mitternacht anzustoßen und den restlichen Abend zu verbringen.

Nach einem langen Abend entschieden wir uns irgendwann wieder zur Auberge zu fahren. Wir waren müde und wollten schlafen. Leider war es auch in dieser Nacht eher nichts mit schlafen. Die Boxen waren gefühlt noch lauter und die Musik noch nerviger, als die Nacht davor. Bis zum nächsten Morgen um zehn Uhr wurden wir beschallt. In dieser Nacht habe ich Cotounou verflucht. Naja wenigstens konnte so das gerade angefangene Jahr nur besser werden.

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