Helene bei den Elefanten – Wochenendtrip nach Kara

Auch wenn Lomé eine riesige Stadt ist und ich noch lange nicht alles hier gesehen habe, hat mich in der letzten Woche mal wieder das Reisefieber gepackt. So haben Alena und ich uns spontan einen Urlaubstag auf den bevorstehenden Montag gelegt und beschlossen über dieses „verlängerte“ Wochenende nach Kara zu fahren. Für eine Unterkunft war schnell gesorgt, da in Kara zur Zeit ein deutsches Ehepaar (Sophie und Dominik) ebenfalls einen Freiwilligendienst im YMCA leistet und wir so mit bei den beiden in der Wohnung unterkommen konnten.

So klingelte also nach einer viel zu kurzen Nacht, die mehr aus Rucksackpacken als Schlafen bestand, am Samstagmorgen um 4.00Uhr mein Wecker, da der Bus der uns nach Kara bringen sollte bereits um 5.30Uhr abfuhr.  Mein Gastvater war so nett und hat mich und Alena mit dem Auto zur Poststation gebracht.

Für die Neun stündige Fahrtstrecke nach Kara haben wir uns zwei Plätze im Postbus gebucht. Der Postbus war im Gegensatz zu unserer Erwartung ein total moderner Bus, der sogar die Möglichkeit bot direkt an den Sitzplätzen die Handys zu laden. Also ein echter Luxusliner für Togo und das für gerade mal 5700 CFA! Das wir die moderne Technik im Bus bald verfluchen würden ahnten Alena und ich noch nicht als wir uns unsere Plätze im fast leeren Bus suchten.

Fast Pünktlich fuhren wir dann los. Kaum wurde jedoch der Motor gestartet, sprang auch die Klimaanlage im Bus an. Die Anfänglichen 25°C wurden schnell auf noch erträglich 20°C runtergekühlt, aber da war noch lange nicht Schluss. Die Klimaanlage kühlte den Bus immer weiter runter bis schließlich die Temperaturanzeige im Bus nur noch 13°C angab. Darauf waren Alena und ich mit unseren leichten Sommersachen nicht vorbereitet. Ich fragte also vorsichtig den Busfahrer ob es möglich wäre die Klimaanlage etwas herunter zu drehen. Als Antwort bekam ich nur: ,,Du bist Europäerin bei euch ist es noch viel Kälter! Das hier ist normal für dich!“ So setzte ich mich also bei normalen 13°C und in FlipFlops wieder auf meinen Platz und hoffte, dass die noch kommenden 8h schnell vergehen.

Während der Busfahrt sind wir an vielen Städten und Dörfern vorbeigekommen und man konnte so innerhalb von einem Tag Togo quasi im schnell durchlauf erleben. Besonders spannend fand ich dabei durch Sokodé zu fahren. In Sokodé waren die Proteste in den letzten Wochen ziemlich schlimm und es soll viele Tote gegeben haben. Wir sind zwar an einem ruhigen Tag durch Sokodé gefahren, trotzdem wahren dort noch an jeder Straßenecke Soldaten, was auf ich einen sehr einschüchternden Eindruck machte.

Nach 9h kamen wir also völlig durchgefroren im schönen Kara an. An der Bushaltestelle wurden wir auch gleich von Jol, einem Mitarbeiter vom YMCA in Lomé der zur Zeit Dominik und Sophie in Kara unterstützt, abgeholt und erstmal in die Wohnung gebracht. Nach kurzem ankommen und ein bisschen Unterhalten bei frischem Hibiskussaft ging es dann weiter auf den Grand Marché um dort genug zu esse für die kommenden Tage zu besorgen. Im Vergleich zu Lomé ist der Grand Marché jedoch eher Petite und so waren wir schnell fertig mit allen Besorgungen und Alena und ich konnten noch nach ein Paar traditionellen Stoffen schauen um uns noch mehr togolesische Kleidung schneidern zu lassen.

Direkt vom Markt aus fuhren wir zu einer kleinen Pizzeria in Kara. Der Betreiber und Koch dieser war Franzose und nach Togo gezogen. Warum hat er uns nicht erzählt, aber er schien als würde er Kara sehr mögen und so tippe ich darauf, dass er einfach nach Togo gezogen ist weil es ihm hier so gut gefällt. Bei einer echt guten Pizza und selbstgemachten Bananenlikör redete er mit uns über Europa und den Weihnachtsmarkt in Straßburg und wir fühlten uns kurz als seien wir nicht mehr in Togo sondern etwas näher an zu Hause ran. So konnte man den Abend noch gut ausklingen lassen.

Der nächste Morgen begann mit einem langen Frühstück mit selbstgemachten Joghurt und allerlei frischer Mango. Nach dem Frühstückt packten wir alle unsere Taschen für den Tag und schmierten uns noch Sandwiches für Unterwegs.

Mit Motos fuhren wir zur Taxi Sammelstelle und suchten uns dort ein Taxi, welches uns bis zu den Elefanten im Nationalpark bringen sollte. Nach langer Preisdiskussion fanden wir auch eines für einen halbwegs annehmbaren Preis und das Abenteuer konnte losgehen.

Erst einmal ging es auf der geteerten Straße los. Hier war es jedoch für mich schon spannend wie unterschiedlich die Landschaft in Kara ist. Währen Lomé noch sehr grün und feucht ist, ist es Kara wesentlich trockener und die Pflanzen sind dem entsprechend weniger grün. Nach 20 Minuten Fahrtzeit kamen wir zu einer Militärkontrolle. Nach kurzem Geplänkel mit den Soldaten durften wir von der geteerten Straße abbiegen und in den Nationalpark einfahren. Hier war die Straße schon einiges holpriger. Voller Staunen fuhren an dem 2 Meter hohen Savannengras vorbei und fühlten uns ein wenig wie auf einer Wildnissexpedition. Als sich plötzlich was im Gras neben dem Auto bewegte wurde unser Fahrer langsamer und wir sahen noch kurz wie zwei Antilopen vor unserem Auto wegrannten. Im ersten Moment dachte ich: ,,Oh wie schön zwei Rehe!“ kurz danach fiel mir jedoch wieder ein, dass ich ja in Afrika bin und das keine Rehe sondern Antilopen sind.

Mit rasantem Tempo fuhren wir weiter über die Huckelpiste. Alena meinte noch in einem Moment: ,,So schnell wie der fährt, müssen wir echt beten, dass das Auto das  aushält!“ und schon  passierte es. Es rumste einmal laut, das Auto fing an hin und her zu schlingern und dann blieben wir abrupt stehen. Unser Fahrer fing an auf Kabye zu fluchen und stieg aus. Wir blieben Regungslos im Auto sitzen. Unser Fahrer inspizierte das Auto und fragte, ob unsere Handys empfang hätten. Hatten sie natürlich nicht. Wir stiegen aus und inspizierten das Autoebemfalls. Das rechte Vorderrad stand total verdreht da. Kurze Angst machte sich in uns breit. Wir fragten uns wie es jetzt weitergehen soll. Die Sonne brannte furchtbar und wir wussten nicht wie weit es noch bis zur Forststation war. Der Weg zurück zu der Militärkontrolle war auf jeden Fall sehr weit.

Plötzlich kam jedoch unsere Rettung. Der Zufall wollte, dass gerade in dem Moment ein Moto von der Forststation auf unserer Strecke uns entgegen kam. Er sah unser gestrandetes Auto und fuhr zurück zur Station um Hilfe zu holen. Einige Minuten später kam schon ein großer Jeep angefahren und wir wurden auf seiner Ladefläche stehend zu den Elefanten gebracht während jemand anderes mit unserem Taxifahrer begann das Auto zu reparieren.

Kaum sahen wir die Elefanten war der ganze Stress vergessen. Ich hatte zwar im Zoo schon einige Male Elefanten gesehen aber ohne Zaun dazwischen ist es doch nochmal ein anderes Gefühl. Vor solchen riesen Tieren muss man einfach Respekt haben. Nach kurzem aneinander gewöhnen hatte ich jedoch auch den Mut die Elefanten zu streicheln und Fotos zu machen. So eine Elefantenhaut fühlt sich sehr seltsam an. Man hat das Gefühl sie ist so hart und krustig, dass nichts das Riesentier verletzen kann.

Nach genügend Zeit bei den Elefanten gingen wir zurück zu der Forststation um dort in Ruhe unsere Sandwiches zu essen und auf unser Taxi für den Weg zurück zu warten.

Unseren zweiten und letzten Abend in Kara verbrachten wir damit togolesisch zu kochen. Es gab Kochbananen (mittlerweile eines meiner Lieblingsgerichte) und Reis mit togolesischer Soße.

Am nächsten Morgen blieb leider nicht mehr viel Zeit uns so aßen wir gemeinsam Frühstück, danach packten Alena und ich noch schnell unsere restlichen Sachen zusammen und wir mussten uns wieder von Sophie, Dominik und Jol verabschieden.

Da an Montagen kein Postbus von Kara nach Lomé fährt mussten wir diesmal eines der typischen Buschtaxis nehmen. Ich war eigentlich ganz froh darüber mit so einem alten Minibus ohne Klimaanlage zu fahren, da mein Hals immer noch von der Hinfahrt kratzte. Das Buschtaxi war bis auf den letzten Platz besetzt und das Gepäck wurde mehr oder weniger sicher auf dem Dach verstaut. Hinter mir saß eine Frau mit lebendigem Huhn auf dem Schoß. Es klingt wie in einem Klischee, war aber real. Und so fuhren wir mit offenem Fenster zu den Klängen von lauter Reggeamusik einmal längs durch Togo zurück nach Lomé.

 

 

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Einmal raus aus Lomé – Ausflug nach Togoville

Nachdem meine Mitfreiwilligen und ich an den letzten Wochenenden Lomé erkundet haben, wurde es für uns Zeit mal wieder die große, laute, stickige Stadt zu verlassen und etwas mehr vom Land zu erkunden. Diesmal ging unser Ausflug an der togolesischen Küste entlang, auf der Straße die Richtung Osten aus Lomé heraus nach Benin führt, nach Togoville.

Morgens gegen 9.00Uhr wurde ich von einem Taxi, direkt zu Hause abgeholt. Im Taxi saß bereits Laura und der Taxi-Fahrer war ein Freund eines Kollegen vom YMCA. Für 6.000CFA pro Kopf, also umgerechnet schlappe 10€, fuhr uns der Taxifahrer in das ca. 1,5h entfernte Togoville am LacTogo, sollte uns durch das Dorf führen und schließlich wieder am späten Nachmittag nach Hause fahren. Dass der Plan so zu einfach war, hätte uns gleich auffallen sollen. Aber dazu später.

Nachdem wir noch Alena und Saphira eingesammelt hatten, ging es auf der Küstenstraße nach Togoville. Es war, wie immer sehr warm im Auto, aber sobald wir Lomé verlassen hatten, merkten wir vier sofort, dass die Luft außerhalb von Lomé um einiges besser war und nicht mehr ganz so sehr nach Abgasen stank. Nach einer kurzweiligen Fahrt erreichten wir den LacTogo. Unser Fahrer fuhr nun von der Straße ab und näher an den riesigen See heran.

An einer kleinen Einbuchtung standen vor dem Wasser ein paar Männer und montierten an zwei im Wasserliegenden Pirogen (Einbäume) Mast und Segel. Wobei die Segel aus aneinander genähten, alten Reissäcken bestanden. Zu einem Ausflug nach Togoville gehört es klassischerweise den See mit dem Boot zu überqueren. Unser Taxifahrer erklärte uns, dass er derweile mit dem Auto die Straße um den See nutzen würde und wir uns dann an der Kapelle in Togoville wieder treffen würden.

Bevor wie die Pirogen betraten musste jedoch noch der Preis verhandelt werden. Da man durch unsere helle Haut sofort sieht, dass wir nicht aus Togo kommen und die meisten Togolesen mit heller Haut auch Reichtum und Wohlstand assoziieren, werden wir hier bei solchen Sachen immer gerne übers Ohr gehauen. So auch diesmal. Wir bezahlten trotz Verhandlungsversuche einen viel zu hohen Preis für die halbstündige Bootsfahrt, aber dies sollte uns nicht weiter stören.

Auf dem kleinen Boot fuhren wir dann also, zur anderen Seite des LacTogos. Es war eine ganzschöne Wackelpartie und wir alle waren froh, dass an diesem Tag nur ein leichter Wind blies.

Kurz bevor wir das Ufer erreichten, kam dann die nächste Überraschung. Vier stämmige Männer kamen auf das Boot zugelaufen und hebten Laura, Alena, Saphira und mich ohne Vorwarnung aus dem Boot heraus und trugen uns den restlichen Weg bis ans Ufer, damit das Boot nicht so schwer auf den Steinen aufliegt, wie man uns später erklärte.

Am Ufer bleib jedoch keine Zeit uns von diesem Schreck zu erholen. Erneut kam eine Truppe Männer auf uns zu. Sie waren Stadtführer und baten uns an uns durch Togoville zu führen. Während ich noch damit beschäftigt war die Träger vom Boot, welche unbedingt ein Geschenk von mir wollten, abzuwimmeln, schafften es Laura, Saphira und Alena die Stadtführer loszuwerden und unsere Besichtungstour durch Togoville konnte starten.

Als erste liefen wir zur Kapelle, um dort wie ausgemacht auf unseren Taxifahrer zu warten. Auf dem Weg dorthin merkten wir jedoch schnell, dass zwei der Stadtführer uns scheinbar verfolgten. Die Kapelle, war von außen eher schlicht und echt klein für Togolesische Verhältnisse, von Innen waren ihre Wände mit allerlei Gemälden geschmückt. Besonders oft sah man Bildnisse der Heiligen Jungfrau Maria. Angeblich ist diese nämlich einmal über dem LacTogo gesichtet wurden und seitdem gilt Togoville als eine Pilgerstätte für viele afrikanische Christen.

Das Außengeländer der Kapelle, war auch beeindruckend. Es gab unzählige Sitzbänke mit Blick zu einem Blauen Altar und einer Marienstatur. Dahinter konnte man den LacTogo sehen. Wir setzten uns, nachdem wir uns ausführlich die Kapelle angeschaut hatten auf eine der Bänke und warteten auf unseren Taxi-Fahrer. Aber auch hier waren wir unsere Beobachter vom Strand noch nicht los.

Nach einiger Zeit erreichte auch unser Fahrer Togoville und fand uns ziemlich schnell. Kaum wollten wir losstarten die Stadt zu erkunden, kamen unsere Beobachter wieder an und begannen eine Diskussion auf Ewe mit unserem Taxifahrer. Wir verstanden natürlich kaum ein Wort dieser Diskussion und mussten nach Fragen was Sache ist. Unser Fahrer erklärte uns, dass es wohl eine neue Regel gäbe und man als Tourist nichtmehr eigenständig Togoville besichtigen dürfe, sondern auf einen Stadtführer von vor Ort angewiesen ist. Selbst unser Taxifahrer hatte zwar noch nie von dieser Regelung gehört aber wir ließen uns auf einen der beiden Beobachter als Stadtführer ein und es konnte endlich losgehen.

Unser Weg führte uns zuerst zu einem in Kolonialzeiten von den Deutschen erbauten Brunnen, dann zu einem Denkmal der Deutsch-Togolesischen Freundschaft, zu zwei Schulen, einem Vodoofriedhof und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten. Togoville ist sehr stark vom Vodooglauben geprägt und so sahen wir allerhand Vodooschreine vor den Wohnhäusern und andere Symbole dieser Glaubensrichtung. Besonders eindrucksvoll war für mich der Zwillingsbaum, an dem der ältesten Rat von Togoville wohl heute noch bei Straftaten richtet. Außerdem sahen wir die Stelle an der immer mittwochs in Togoville der Tauschmarkt stattfindet. Die meisten Dinge werden nämlich in Togville nicht gegen Geld erworben, sondern durch das Tausch bestimmter Waren.

Außerdem sahen wir noch die Behausung der Königsfamilie Mlapa, deren Vorfahre damals den Vertrag mit dem deutschen Kolonialherren Nachtigall zur Kolonialisierung Togo unterschrieben hatte.

Unser Stadtführer jedoch zeigte während seiner Tour immer wieder, dass sein Wissen über Togoville eher begrenzt war. So antwortet er auf die Frage, wie alt eine der zwei Schulen sei nur mit „Sehr alt, sehr alt!“ und auch bei erneutem Nachfragen erhielten wir nicht mehr Information als, dass diese Schule nun mal sehr alt sei. Auch bei einer Kanone (siehe Bild) meinte er, dass diese aus dem Zweiten Weltkrieg von den Deutschen stamme. Als wir fragten was die Deutschen noch zum Zweiten Weltkrieg in Togo wollten, da sie ja eigentlich Togo nach dem Ersten Weltkrieg an Frankreich abgetreten hatten, wusste er ebenfalls keine Antwort.

Nach diesem anstrengenden und eindrucksvollen Tag, den wir durch die sengende Hitze viel zu Fuß gelaufen waren, versorgten wir uns noch mit zwei gezuckerten Broten (ein wenig wie Milchbrötchen) und Bananen, verabschiedeten und von unserem „Stadtführer“ und fuhren mit unserem Taxifahrer am See entlang durch eine herrliche Landschaft zurück nach Lomé.

Was ist los in Togo?

Togo spielt in der deutschen Nachrichtenwelt kaum eine Rolle, da aber anscheinend trotzdem einige von euch von der unruhigen politischen Lage in Togo gehört haben, möchte ich diesmal versuchen die politischen Unruhen aus meiner Sicht zusammen zufassen.

Seit meiner Ankunft in Togo gibt es immer wieder in verschiedenen Städten Togos (vor allem in Lomé und Kara, den beiden Universitätsstädten) große Demonstrationszüge gegen den aktuellen Präsidenten Faure Gnassingbé. Faure Gnassingbé ist der Sohn des ehemaligen Diktators von Togo und regiert mehr wie ein Diktator als ein Präsident.

Der Unmut über die togolesische Politik wächst schon seit Jahren. Die Menschen hier sehnen sich nach politischer Veränderung. Die Rufe nach Meinungs- und Pressefeiheit werden immer lauter und die Togolesen wollen auch eine bessere Verteilung der Staatsgelder. Warum ausgerechnet jetzt die Unruhen so groß sind kann man nicht genau erklären. Die letzten Wahlen waren 2015 und die nächsten stehen erst in 2 Jahren an, weshalb dies kein Grund für die Aufstände sein kann.

Das Problem bei den Aufständen ist, dass sie immer gewaltvoller werden und es sowohl auf Seiten der Armee als auch unter den Demonstrierenden schon Tote gab. Beide Seiten werden auch immer aggressiver. Für mich und meine Mitfreiwilligen heißt es deshalb an den Demotagen Hausarrest. Das Stadtviertel in dem ich wohne (Adidogomé) ist zwar etwas außerhalb von Lomé und auch recht sicher während der Demonstrationen, trotzdem gab es auch schon Tage an denen in Adidogomé Tränengas eingesetzt wurde. Ich sitze dann meist 2 Tagen in der Gastfamilie fest und versuche mich mit Malen, Zeichnen, Briefeschreiben und anderen Dingen abzulenken.

Leider wird auch meist in den Wochen in denen Demonstrationen sind das Internet in ganz Togo abgestellt und der Telefon- bzw. SMS-Kontakt ins Ausland geblockt, um zu verhindern das Informationen und Videos von den Demonstrationen nach außen gelangen. Weshalb wir Freiwilligen bei den ersten Demotagen nicht mal die Möglichkeit hatten, uns an diesen Tagen mit Telefonaten nach Hause die Zeit tot zuschlagen. Mittlerweile hat mir jedoch ein Mitarbeiter vom YMCA eine App heruntergeladen mit der ich über den Server eines anderen Landes ins Internet komme und so kann ich wenigstens WhatsApp nutzen, wenn ich schon nicht das Hausverlassen darf.

Oft wurde ich schon gefragt, ob mir die Aufstände und die unruhige Situation Angst machen. Aber ich kann ehrlich sagen, dass ich mich während der Demonstrationen sicher fühle. Ich denke, dass wenn ich mich an die Regeln, die der YMCA und meine Gastfamilie für die Demotage geben, halte, mir nichts große passieren kann und ich weiß auch, dass wenn die Situation zu Gefährlich für uns Freiwillige werden würde, der YMCA uns nach Hause, nach Deutschland schicken würde und solange dies nicht geschieht, bin ich sicher aufgehoben. Außerdem hält uns die Deutsche Botschaft in Togo mit E-Mails immer auf dem Laufenden über die Sicherheitslage im Land. Also kein Grund zur Sorge.

Eine Frage die sich mir nur immer wieder stellt ist: „Was würde mit Togo passieren, wenn man den Präsidenten stürzt?“ Ich persönlich wünsche mir für Togo eine politische Veränderung und damit natürliche eine Verbesserung der Situation vieler Togolesen. Aber ob diese positive Veränderung durch einen Machtwechsel kommt ist fraglich. Momentan ist Togo eines der sichersten Westafrikanischen Länder, nicht um sonst werden nur nach Togo im französischsprachigen Teil Westafrikas Weltwärts-Freiwillige aus Deutschland entsandt. An jeder Ecke sieht man hier Soldaten, die Kriminelle abschrecke sollen, und auch die strenge Regierung mit ihrem skrupellosen vorgehen, verhindert viel Terrorismus und Gewalt. Auch wenn Togo, also aus deutscher Sicht kein sehr sicheres Land ist, ist es aber aus westafrikanischer Sicht ein sicheres Land. Würde man jetzt, jedoch die Regierung stürzen gäbe es wahrscheinlich, ähnlich wie in den arabischen Ländern nach dem „arabischen Frühling“, viele Unruhen, da alle verschiedenen politischen und ethnischen Gruppierungen des Landes nach möglichst großen Machtanteilen streben würden und darunter könnte mit großer Wahrscheinlichkeit die Sicherheit im Land leiden. Es ist also ein schwieriges Thema und viele Togolesen mit denen ich mich unterhalten habe, wissen selbst nicht was schlimmer wäre, weiterhin Faure Gnassingbé als Präsidenten oder ein Machtwechsel mit großen Ungewissheiten.

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Malen, mein lieblings Zeitvertreib während der Demotage

Ein Montag mit mir in Lomé

Vor meinem Fenster kräht der Hahn in einer Ohrenbetäubenden Lautstärke. Müde taste ich nach meinem Handy um zu schauen, wie spät ist. Auf meinem Handydisplay leuchtet die Zahl 4:30Uhr auf. Viel zu zeitig. Ich drehe mich noch einmal um, versuche das Krähen des Hahnes und die anderen Geräusche der langsam erwachenden Stadt Lomé auszublenden und schlafe noch einmal ein.

„Good morning, good morning,…“ lauthals trällert mein Handy meinen Aufwecksong. Es ist 6.15Uhr, Zeit für mich aufzustehen. Mit halb geschlossenen Augen fitze ich mich aus meinem Moskitonetz und trotte in mein Bad. Ich drehe den Knopf an meiner Dusche voll auf. Ich warte ein paar Sekunden, aber es kommt kein Wasser. Also zieh ich den mit Wasser gefüllten Eimer aus seiner Ecke im Badezimmer und beginne mir mit einer Schüssel das kalte Wasser ins Gesicht und über den Körper zu schütten. Frisch „geduscht“ putze ich mir die Zähne und suche mir dabei etwas zum anziehen für den Tag aus. Wie immer ist es auch heute schwül und warm, trotzdem entscheide ich mich für eine lange Jeans und ein T-shirt. Jeans halten einfach am besten die nervigen Moskitos ab. Nach dem Anziehen schmiere ich meine freien Körperstellen noch großzügig mit 50er Sonnencreme und Moskitospray ein. Deo darf natürlich auch nicht fehlen.

Nach einer Mischung aus Sonnencreme und irgendwelchen Chemikalien riechend verlasse ich nun mein kleines Gästehaus und lauf durch den Garten in das Wohnzimmer  meiner Gastfamilie. Mit einem fröhligen „Bonjour, Ҫa va?“ begrüßt mich meine Gastmutter. Ich antworte mit „Ҫa va bien!“ und setze mich an den bereits für mich gedackten Frühstückstisch. Wie jeden Morgen gibt es Baguette mit deutschem Imkerhonig und Marmelade. Dazu trinke ich Wasser und Tee und beantworte während dessen ein paar Whatsapp-Nachrichten meiner Freunde und Familie.

Immer noch etwas Müde schaue ich auf die Uhr. Es ist 7.35Uhr. Ich gehe zurück in mein Häuschen um meinen Rucksack zu holen. Ich gehe nochmal zurück zum Wohnzimmer und verabschiede mich mit „Bon journée!“.

Ich stöpsele mir meine Kopfhörer in die Ohren und verlasse das Grundstück durch das große Eisentor. Auf den roten Staubstraßen herrscht schon reges Treiben. An den Straßenrändern kann man alle möglichen Lebensmittel kaufen und in den Nähstuben werden bereits die alten Singer-Nähmaschinen mit Fußpedal betrieben und bunte Stoffe zu verschiedenen Kleidungsstücken zusammen genäht. Von vielen Menschen werde ich freundlich gegrüßt, einige Kinder schauen mich mit großen Augen an und fangen freudig an zu lachen, wenn ich ihnen zu winke. Ab und zu kreuzt eine Henne mit ihren Küken meinen Weg. Ich laufe vorbei an verschieden großen Häusern und allerlei Plastikmüll, der hier in Lomé überall herum liegt.

Nach ca. 10-15 Minuten und schätzungsweise 5 erfolgreich abgelehnten Angeboten von Mototaxifahrern mich mit zunehmen erreiche ich die große geteerte Straße des 13 Januars. Die Luft ist dick und stinkt nach beisenden Abgasen. Die alten Autos und unzähligen Mopeds schieben sich laut hupend durch den stockenden Berufsverkehr. Ich warte stelle mich wie jeden Morgen vor die Pharmacie Bethel und warte auf das Auto, was mich und meine drei Mitfreiwilligen einsammelt und zum YMCA bringt. Heute mit nur 5 Minuten Verspätung, also in togolesischer Zeitrechnung überpünktlich, kommt der silberne Skoda angefahren und ich steige ein. Alena und Saphira sitzen bereits im Auto und wir unterhalten uns über unsere unterschiedlichen Aktivitäten am Wochenende. Nachdem wir noch Laura eingesammelt haben und insgesamt eine dreiviertel Stunde durch Lomé gefahren sind kommen wir endlich im YMCA an.

Sharon kommt auch gerade an und schließt die Bibliothek, unseren Arbeitsplatz auf. Jeder von uns schnappt sich einen Besen und wir beginnen den roten Sand, der sich im Laufe des letzten Freitags und des Wochenendes angesammelt hat raus zu kehren.

Es ist kurz nach Neun. Das bedeutet an jedem Montagmorgen Meditation und Mitarbeiterrunde. Gemeinsam gehen wir in den Konferrenzsaal des YMCA und helfen noch schnell beim Verteilen der Liedhefte im Stuhlkreis. Nach ein Paar Liedern und einer kurzen Bibeleinführung tauschen sich die Verantwortlichen der Arbeitsteams darüber aus, was so in der kommenden Zeit ansteht und woran in der letzten Woche gearbeitet ist. Ich bin immer noch Müde und kann dem ganzen Französisch nicht mehr folgen. Plötzlich fällt jedoch mein Name und alle schauen mich erwartungsvoll an. Mist, worüber wurde gerade gesprochen? Saphira, die neben mir sitzt flüstert mir „Das Camp!“ zu. Das ist es also ich geh einfach mal davon aus, dass ich etwas vom Camp erzählen soll. In gebrochenem Französisch hasple ich schnell zusammen, dass es mir gefallen hat und für mich eine tolle Erfahrung war. Der Kreis nickt zufrieden und wendet sich an Alena. Alena gibt auch noch einen Kommentar zum Camp ab. Nach zwei Stunden ist dann die wöchentliche Mitarbeiterversammlung beendet und es wird noch einmal ein Lied gesungen und gebetet. Ich helfe noch einmal beim Aufräumen des Aales und gehe dann mit meinen Mitfreiwilligen wieder zurück zur Bibliothek.

Nun steht die Wochenplanung an. Mit allen Mitarbeitern aus der Bibliothek quetschen wir uns vor den Bildschirm des Computers und unser Mentor Blaise öffnet eine neue Datei. Wir füllen die Woche mit allerlei Erledigungen für unsere „Card de sejour“ (Visum), Aktivitäten für die Kinder und dem Deutschkurs für die Mitarbeiter, der von uns Deutschen geleitet wird.

Nach reichlichen Diskussionen haben wir auch das geschafft und es ist Zeit für die Mittagspause. Gemütlich laufe ich mit Sharon, Alena, Saphira und Laura rüber zur Küche des YMCA`s, wo wir jeden Tag für 500CFA, also umgerechnet 90 Cent, uns ein Mittagessen kaufen können. Wie eigentlich fast immer gibt es irgendeine Art von Patt oder Reis mit Tomatensoße. Die Entscheidung fällt mir leicht.

Frisch gestärkt vom Reis mit Tomatensoße entschließe ich mich noch den Rest meiner zwei-stündigen Mittagspause zu nutzen und gehe noch zur Post um einen Brief abzuschicken. Die Mittagssonne knallt auf die Straße. Zu dieser Zeit sind verhältnismäßig wenig Autos und Motos unterwegs. Ich laufe durch den erhitzten Sand und betrete die klimatisierte aber rammelvolle Postfilliale. Nach 20 Minuten Wartezeit werde ich endlich meinen Brief los und ich laufe, vorbei an ein paar kleinen Straßenständen mit Süßigkeiten, Baguette oder Obst, zurück zum YMCA. Auf der Treppe vor dem YMCA sitzt wie jeden Nachmittag die freundliche Ananasverkäuferin. Für umgerechnet 40 Cent kann man sich bei ihr eine frisch aufgeschnittene herrlich saftige, süße Ananas kaufen.

Zurück in der Bibliothek fange ich an mit Alena, Saphira und Laura den Deutschkurs zu planen. Wir sind zwar noch nicht ganz fertig mit der Planung aber es ist 15.00Uhr und das heißt Animation. Wir gehen raus zum Fußballfeld des YMCA`s, wo unsere Kollegen schon die lauten Musikboxen aufgebaut haben. Die ersten Kinder sind auch schon da und wir spielen mit ihnen verschiedene Kreisspiele und tanzen den ein oder anderen Gruppentanz („Macarena“ ist dabei immer wieder ein Renner).

Pünktlich 17.00Uhr fährt, dann der silberne Skoda vom Morgen auf das Gelände des YMCA`s und hupt. Das ist unser Zeichen. Meine Mitfreiwilligen und ich verabschieden uns bei unseren Kollegen und gehen in die Bibliothek unsere Taschen holen. Müde sitzen wir dann im Auto und werden wieder nach Hause gebracht. Erst Laura, da ihre Gastfamilie sehr nah beim YMCA wohnt. Für Alena, Saphira und mich ist der Weg bis in unser Stadtviertel „Adidogomé“ etwas weiter. Die Sonne geht langsam unter, aber auf den Straßen herrscht immer noch reges Treiben. Wie auch schon am Morgen sind wieder die Straßen total verstopft. Langsam schiebt sich unser Auto durch die Straßen und die Motos schlängeln sich flink an uns vorbei. Ungeduldig hupen einige Fahrer, wenn die Verkehrspolizisten die kreuzenden Fahrzeuge durchlassen.

Endlich kommen wir bei mir an und ich steige aus. Ich verabschiede mich noch mit „Bonne soirée!“ bei Alena, Saphira und unserem Fahrer. Müde drücke ich die Klingel am Eisentor vor dem Grundstück meiner Gastfamilie. Ich höre wie Flipflops richtung Tor laufen. „C’est qui?“ (= Wer ist da?) erkundigt sich meine Gastschwester. „Bonsoir, C’est Helene!“(=Guten Abend, hier ist Helene!) antworte ich und im selben Moment öffnet meine Gastschwester mir das Tor. Wir erzählen uns kurz von unserem Tag und ich gehe danach schnell in mein Bad um mir den Staub vom Tag von den Händen zu waschen.

Mit sauberen Händen setze ich mich zu meinen Gastgeschwistern in das Wohnzimmer. Wie jeden Abend schauen meine Schwestern ihre Serie im Fernsehen, die so seicht ist, dass ich in der kurzen Zeit die ich schon hier bin schon einsteigen konnte.

Meine Gastmutter kocht währenddessen mein Abendbrot. Da es hier nicht üblich ist gemeinsam als Familie zu essen, setze ich mich schließlich alleine an den Esstisch. Es gibt gekochte Yams, die ein bisschen wie Kartoffeln schmeckt, mit Gemüse in Tomatensoße.

Nach dem Essen bleibe ich noch etwas im Wohnzimmer. Ich bin jedoch ziemlich Müde und verabschiede mich schon gegen halb Neun und laufe rüber zu meinem Häuschen. Schnell packe ich meine Tasche für morgen. Danach stelle ich mich müde unter die kalte Dusche und putze meine Zähne. Anschließend krabble ich durch den Reisverschluss meines Moskitozeltes in mein Bett. Nun schreibe ich wie jeden Abend noch in mein Tagebuch, lerne meine täglichen 3 Vokabeln Französisch und lese ein paar Seiten in einem Buch, über einen jungen Geschäftsmann der von Deutschland nach Togo geradelt ist. Trotz der vielen Geräusche aus der Nachbarschaft schlafe ich ziemlich schnell ein, denn morgen steht wieder ein voller Tag an.

Y-Camp – meine erste kleine Reise in Togo

Die Togolesen sind sehr spontan und genau diese Spontanität durften ich bereits während meiner zweiten Woche in Togo am eigenen Leibe erfahre.

Meine zweite Woche in Togo begann ganz normal mit der Arbeit im YMCA am Montagmorgen. Vormittags haben wir mit unseren Mentor Blaise geplant, was wir alles für die „Card de sejour“ (ein Visum für ein einjährigen Aufenthalt in Togo, welches man erst vor Ort erhalten kann) benötigen, und am Nachmittag haben wir die „Animation“ gemacht (Kreisspiele für die Kinder die den YMCA besuchen).Als wir dann alle drei Abends müde und fertig im Auto saßen um nach Hause zu fahren und endlich den Feierabend zu genießen, kam die Überraschung. Morgen würden wir nicht, wie gewohnt, um 7.20Uhr zum YMCA fahren, sondern wir würden uns bereits um 6.00Uhr mitgepackten im YMCA treffen um dann von dort aus gemeinsam nach Kamina zu starten. Kamina ist ein (sehr) kleines Dorf kurz vor Atakpamé in der Plateaux-region in Togo und mit dem Bus ca. 3-4h von Lomé entfernt. In Kamina würden wir, dann mit Jugendlichen aus ganz Togo am jährlichen „ Camp National“ teilnehmen und an einem neuen Gebäude für den YMCA bauen.

Zu Hause angekommen hieß es dann also doch noch nicht, dass ich endlich schlafen könnte. Schließlich musste ich erstmal meinen Rucksack für eine 6 tägige Reise packen und mein Moskitozelt abbauen und ebenfalls gut am Rucksack verstauen.

Nach 6h schlaf (die für mich eindeutig zu wenig waren) stand ich dann also am nächsten Morgen um 4.45Uhr auf und Frühstückte mit einer meiner jüngeren Gastschwester und einer Freundin von ihr, da die beiden auch mit zum Camp wollten. Kaum war ich fertig mit essen bekam ich eine Nachricht von unserem Mentor und er teilte mir mit, wir uns wohl doch erst um 11.00Uhr am YMCA treffen, da es wohl Probleme mit dem Bus gäbe. Ich freute mich also kurz und legte mich noch einmal für 3h schlafen.

Weitaus besser ausgeschlafen brachte mein Gastvater meine Gastschwester, ihre Freundin und mich dann zum YMCA. Da der Schaden am Bus wohl doch komplizierter war als gedacht, warteten wir nun dort noch weitere 6h.

Gegen 17.00Uhr und mit nur 10h Verspätung konnte es, nach einem kurzen Gebet damit der Bus die Fahrt durchhält, endlich losgehen, meine erste Reise durch Togo. Da ich ja zu dem Zeitpunkt noch nicht viel von Togo gesehen hatte kamen mir die 4h fahrt vor als wär es nur 1h gewesen. Auf der Straße neben uns fuhren unzählige Autos die Bis unters Dach voll gestapft waren. Da waren Autos auf deren Dächer Hühner festgesurrt waren oder in denen die Sitze ausgebaut wurden und sich stattdessen Mais, Yams oder andere Gemüse befanden. Wenn ein Auto mal dem Personentransport diente, dann saßen immer mind. 2 Personen mehr im Auto als es Sitzplätze gab. Unser Bus muss jedoch auf andere Autos auch einen sehr verrückten Eindruck gemacht haben, denn die meisten Fahrer starrten unseren Bus ziemlich entgeistert an. Was wohl nicht zuletzt an der aus dem Bus dringenden Lautstärke lag. Mit riesigen Boxen wurde nämlich in unserem Bus ein Mischmasch aus aktuellen afrikanischen Hits und Alltime-favourites abgespielt und live mit Trommeln und Gesang begleitet. Spätestens bei dem Hit YMCA (der ja offensichtlich auf einer Reise mit dem YMCA nicht fehlen darf) tanzte der ganze Bus wild mit und es saß kaum noch jemand auf seinem Sitzplatz.

Laut dröhnend fuhren wir also durch die Togolesische Landschaft und ich wusste gar nicht, was mich mehr beeindruckte die Dörfer am Straßenrand an denen wir vorbei fuhren oder die gute Stimmung im Bus. Wir fuhren vorbei an ärmlichen Dörfern aus kleinen Häusern mit Strohdächern in denen Kindern mit verlumpten T-Shirts Fußball spielten, Frauen allerlei Dinge in Körben auf dem Kopf transportierten. Wenn wir nicht an Dörfern vorbei fuhren, war der Straßenrand grün bewachsen mit allerlei für mich neuen Pflanzen.

Während einer kurzen Toilettenpause, wobei die Toilette lediglich aus einem Gebüsch bestand, stiegen in den Bus drei Straßenhändler ein, die aus den Körben von ihren Köpfen kalte Getränke, hart gekochte Eier und Brote verkauften. Beinahe hätten wir im Bus auch einen dieser Verkäufer mitgenommen, aber da die Türen im Bus sich nicht schließen ließen konnte er noch schnell heraus springen.

Nach 4h aufregender Busfahrt kamen wir endlich im stockdunklen Camp an und unser Bus wurde freudig von den Jugendlichen aus den anderen Städten begrüßt. Das Camp war in zwei typisch afrikanischen Schulgebäuden eingerichtet wurden. Die Schulbänke wurden aus den Gebäuden heraus geräumt und draußen unter zwei riesigen Bäumen mit Blättern größer als mein Kopf für das Essen und die Einheiten aufgestellt. Die Schulräume dienten den Campteilnehmern als Schlafsaal und wurden mit Moskitonetzen und dünnen Matten, die eigentlich nur dem Zweck dienten, dass man nicht im Dreck liegt, ausgelegt. An einem Baum neben der Schule war an einem Strick eine Ziege angebunden, die, so dachte ich, wohl das Camphaustier war. Die Duschen bestanden aus kleinen ca. 1 Quadratmeter großen selbstgebauten Kabinen aus Strohmatten und das Wasser musste man sich selber in einem Eimer holen.

Während des Camps hatten wir jeden Tag andere Aufgaben für die wir in Kleingruppen eingeteilt wurden. So war ich am ersten Tag im Küchenteam eingeteilt. Über zwei offenen Feuern köchelten wir den Mais für das Patt und bereiteten die frischen Fische zu. Meine Aufgabe war es dabei die Fische auszunehmen. Eine echt eher gewöhnungsbedürftige Angelegenheit. Aber immerhin könnte ich jetzt einen Fisch ganz alleine zubereiten auch wenn er nicht aus der Tiefkühltruhe kommt.

An einem anderen Tag war es die Aufgabe meines Teams Wasser zu holen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Da es in so einer abgelegenen Schule keinen Wasseranschluss gibt musste jeden Tag ein Team zum ca. 2 km entfernten Brunnen (der Übrigens von UNICEF-Spendengeldern gebaut wurde) laufen und dort die Eimer mit Wasser füllen und wieder zum Camp tragen. Anscheinend war mein Team sehr verwundert, dass ich diese Aufgabe mitmachen wollte, denn ich wurde am Brunnen bestimmt fünf mal gefragt, ob ich das denn auch wirklich machen wöllte. Als ich dann mein Wasser mit der Fußpumpe auch noch selber pumpen wollte wurde das Wasserholen für die anderen anscheinend zum richtigen Event und meine Teammitglieder machten mit ihren Handys unzählige Fotos, wie ein „Yovo“ Wasser holt.

Wenn man nicht gerade mit seinem Team dabei war eine Aufgabe zu erledigen oder an der ersten wand für den neuen YMCA in Kamina zu bauen lief laute Musik und es wurde getanzt, Karten gespielt oder man ruhte sich aus. Wobei es für uns vier deutsche kaum eine Sekunde gab in der wir uns ausruhen konnten, da ständig Campteilnehmer kamen die mit uns Deutsch lernen wollten (beliebt war der Zungenbrecher „Fischers Fritze“) oder einfach nur ein Selfie mit uns machen wollten.

Der letzte Abend war dann noch einmal, wie so üblich in einem Camp ein ganz besonderer und es gab zur Feier des Tages unser Camphaustier die Ziege zu essen. Danach wurde noch lange Musik gehört gequatscht und es blieb nur sehr wenig Zeit für zum Schlafen übrig.

Am letzten Morgen wurde dann das Camp wieder aufgeräumt und die Schulsäle wieder hergerichtet. Als das alles erledigt war konnten wir uns totmüde in unsere Busplätze fallen lassen und hofften den verlorenen Schlaf nachholen zu können.

Naja, das mit dem Schlaf nachholen wurde dann doch nichts, da nach 10 Minuten fahrt sich der Bus im Schlamm festfuhr und wir alle aussteigen mussten um den Bus da raus zu schieben. Da der Boden aber immer noch zu schlammig war liefen wir bis zur nächsten befestigten Straße dem Bus weiter hinterher, damit er leichter ist und sich nicht so schnell festfährt. Kaum fuhren wir dann wieder 20 Minuten auf der asphaltierten Straße Richtung Lomé hieß es wieder wir sollen aus dem Bus austeigen. Diesmal war der Bus wohl schon wieder kaputt. Während der Bus also zur nächsten Werkstatt gebracht wurde warteten wir Businsassen also am Straßenrand und hofften, dass wir irgendwann noch einmal zurück nach Lomé kommen würden. Nach 2h Wartezeit, die wir uns mit frischen Yams-frites und Bananen von der Straßenverkäuferin, die an diesem Tag mit 50 hungrigen Jugendlichen wohl ihren Jahresumsatz machte, verkürzten, kam dann der Bus frisch aus der Reparatur wieder und es ging für uns weiter nach Lomé. Leider sollten auch diesmal unsere Gebete nicht erhört werden und kurz vor Lomé ging der Bus ein drittes und finales mal kaputt. Diesmal war der Schaden wohl so groß, dass wir uns von unseren Eltern direkt dort abholen lassen sollten. Da natürlich nicht alle Eltern Zeit oder ein Auto hatten gründeten wir Fahrgemeinschaften und so endete meine erste Reise in Togo zu neunt plus Gepäck in dem kleinen Opel meines Gastvaters.

Alles in allem war das „National Camp“, auch wenn viel schief lief und es ziemlich anstrengend war, eine echt tolle Erfahrung. Man konnte erste Freundschaften mit Togolesen schließen, ich konnte glaube ziemlich gut mein Französisch verbessern und ich habe endlich ein bisschen mehr von Afrika, als die Großstadt Lomé gesehen. Ich hoffe, dass in Zukunft noch viele genauso beeindruckende Reisen wie diese folgen werden.

Bis bald Helene

05.09.2017 – schon eine Woche togolesische Luft

Nun bin ich schon etwas länger als eine Woche hier in Lomé und ich denke es wird Zeit euch ein wenig über meine erste Zeit hier zu berichten.

Der Tag hier beginnt für mich wesentlich zeitiger als in den letzten Monaten in Deutschland. In der Woche gibt es um 7.00Uhr Frühstück und ausschlafen am Wochenende heißt, dass ich kurz nach 8.00Uhr Frühstücke. Was für mich schon total zeitig ist, ist für meine Gastfamilie spät. In der Woche müssen meine Gastschwester Gloria (19 Jahre alt) und mein Gastvater Hubert (oder auch Rudi genannt) schon gegen 6.40Uhr das Haus verlassen und zur Arbeit fahren. Meine Gastgeschwister Eunice (17 Jahre alt) und Davide (12 Jahre alt) haben zwar momentan Ferien sind aber trotzdem meist vor mir schon wach. Meine Gastmutter ist Hausfrau und kümmert sich darum, dass alles im Haus seinen Gang geht. Bis gestern hat in meiner Gastfamilie noch eine Britin, Tascha, mitgewohnt, die über ein britisches Programm für 3 Monate im YMCA Lomé gearbeitet hat.

Tascha hat mir hier in den ersten Tagen auch echt gut geholfen. Da wir am selben Ort gearbeitet haben hat sie mir den Weg zur Bushaltestelle gezeigt, mir erklärt was ich einem Mototaxi sagen muss, damit ich wieder nach Hause komme (es gibt hier nämlich keine Adressen oder Straßennamen) und welche Bars und Restaurants gut und verträglich für den europäischen Magen sind, wenn man mal weggehen möchte.

Ich konnte in der letzten Woche zwar noch nicht viel von Lomé sehen, da ich doch noch recht uneigenständig hier bin und man sehr schnell die Orientierung verlieren kann, dennoch konnte ich mir schon einen ersten Eindruck von der togolesischen Hauptstadt Lomé machen. Was einem sofort auffällt, wenn man hier her kommt ist, dass es kaum befestigte Straßen gibt sondern viel mehr sandige Huckelpisten existieren. Überall ist roter Sand und an den Straßenrändern liegen Müllhaufen rum. Da Getränke hier in Plastiktüten verkauft werden und alles doppelt und dreifach in dünne Plastikbeutel gepackt wird ist Müll hier ein großes Problem. Viele Familien können sich auch keine Müllabfuhr leisten und werfen dann kurzerhand ihren Abfall auf die Straße oder verbrennen ihn im Garten. Die meisten Autos und Mopeds hier besitzen auch keine Filter oder ähnliches, weshalb die Luft, gerade an großen Straßen, sehr schlecht ist und ich mich da nur sehr ungern aufhalte. Was auch auffällig ist, ist das es hier keine wirklich leisen Orte gibt. Die Togolesen lieben laute Musik und man kann eigentlich immer aus irgendeiner Ecke die neusten westafrikanischen Hits (meist aus Nigeria) hören. Dazu kommt dann noch der Krach von den vielen Autos und Mopeds auf der Straße und das Hupen der Fahrzeuge, wenn sie abbiegen (Es gibt hier kaum Verkehrsregeln und damit man beim Abbiegen nicht in ein anderes Fahrzeug rast hupt man einfach vor dem abbiegen und hofft darauf, dass einem niemand entgegen kommt.).

Ich durfte auch schon zwei togolesische Hochzeiten miterleben. Beide waren sehr unterschiedlich die erste war von einer sehr reichen Familie und deshalb auch sehr europäisch. Es gab erst einen Gottesdienst mit der Zeremonie und dann eine Feier mit sehr vielem Essen in einem sehr edlen Hotel. Die andere Hochzeit war schon afrikanischer. Sie fand in einer freiluftbar statt. Es gab wieder sehr viel essen aber der Hauptteil der Feier bestand diesmal aus tanzen. Was beide Hochzeiten aber gemeinsam hatten, war die ausgelassene Stimmung.

Was ich auch auf den beiden Hochzeiten und im Alltag hier sehr viel erlebe ist, dass ich als Yovo (=weiße) eine gewisse Sonderstellung erlebe. So werde ich sehr viel von fremden Menschen fotografiert, auf den Straßen angehupt oder gleich ohne große Umschweife von wildfremden Männern gefragt ob ich sie nicht vielleicht heiraten will. Wenn ich hier durch die Straßen laufe rufen mit Kinder hier häufig „Yovo, Yovo“ hinterher und wenn ich dann mit „Bonsoir“(=Guten Abend) antworte, ist die Freude große, da es hier ein Lied gibt, dass wohl „Yovo, Yovo Bonsoir“ heißt. Besonders einprägend war es, als Tascha und ich auf der einen Hochzeit nicht mit unseren Gastschwestern am „Jugendtisch“ sitzen durften, sondern an einem normalen Tisch sitzen sollten oder als ich alleine mit einem kleinen Jungen, der auf seine Mutter wartete, im Bad stand und er anfing zu weinen, weil er wohl Angst vor mir und meiner Hautfarbe hatte.

Das essen hier ist zum großen Teil auch echt okay. Es gibt viel Reis und Yams (soetwas ähnliches wie Kartoffeln) mit Gemüse oder Fisch. Ich habe auch schon einmal Fufu (ein Brei mit teigiger Konsistenz aus Maismehl) gegessen, aber um ehrlich zu sein, war das nicht mein Fall und ich kann darauf gut in Zukunft verzichten.

Es gibt hier zwar viele Dinge die anders sind und vielleicht auch das ein oder andere was mir nicht so gut gefällt, aber denke an das meiste kann man sich gewöhnen und es gibt auch so viele schöne Dinge hier, wie das frische Obst, das viel besser als in Deutschland schmeckt, die bunten Eidechsen überall und noch vieles mehr. Ihr seht also es geht mir gut hier und ich glaube das Togo die richtige Wahl für mich war.

Bis bald

Helene oder auch Ajouwoa, wie mein  Name auf Ewe lautet.

Los geht das Abenteuer

Ja ich lebe noch! Und wenn ihr das liest weiß ich jetzt auch wo und wie es hier in Lomé Internet gibt. Heute ist der 26. August und ich bin gestern Abend hier wohlbehalten angekommen. Wie die ganze Reise von Leipzig zu meiner Gastfamilie in Lomé ablief möchte ich euch in diesem Blogeintrag erzählen.

Am 24. August ging es also gegen 16.00Uhr mit meinen Eltern los Richtung Frankfurt. Nachdem meine ganzen Koffer im Auto gut verstaut waren verabschiedete ich mich von meinem Zimmer, unserem Haus und meiner kleinen Schwester, Hedi. Die Autofahrt war gewohnt langweilig und wir kamen, ohne großen Stau oder Unfall, gut am Hotel in Frankfurt an. Nach dem Einchecken wollten wir noch was essen gehen, da es mein letzter Abend in Deutschland war durfte ich mir aussuchen wo es hingeht und ich entschied mich natürlich für den Italiener. Was gibt es besseres als italienische Pizza? Satt von der leckeren Pizza viel ich dann ins Hotelbett, um nicht also viel später am nächsten Morgen um 4Uhr aufzustehen.

Morgens um 4.45Uhr am 25. August fuhren wir dann gemeinsam zum Flughafen. Wir hatten Glück und standen nicht im Stau, so dass wir pünktlich zur Abschiedsandacht in der Flughafenkapelle sein konnten. Kurze Panik kam jedoch auf als meine beste Freundin Anna, welche mich auch auf dem Flughafen verabschieden wollte, mir simste, dass sie im Stau steht. Doch sie schaffte es trotz kurzem Stillstand auf der Autobahn noch zum Flughafen zu kommen. Nach dem Einchecken und Kofferabgeben war es dann soweit: der Abschied von meinen Eltern und Anna. Doch es war nicht viel Zeit für den Abschiedsschmerz, denn bei der Sicherheitskontrolle gab es ein Problem mit meiner externen Festplatte. Man wollte mir einfach nicht glauben, dass sie keine Bombe ist und so wurde die Polizei gerufen. Meine Blicke wanderten immer wieder Nervös zur Uhr das Boarding für meinen ersten Flug begann, aber ich musste erstmal mit einem Polizisten mit in sein Büro. Dort zeigte ich ihm unter Zeitdruck, dass die Festplatte wirklich keine Bombe ist und er ließ mich schließlich wieder gehen. Da die Zeit nun sehr knapp war sprintete ich einmal quer durch den Flughafen um schließlich ganz knapp in das Flugzeug zu kommen. Völlig außer Atem und total verschwitzt saß ich dann total eingequetscht von meinem ganzen Handgepäck im Flieger nach Brüssel.

In Brüssel gelandet begann dann der Stress von vorne. Da unser Flieger von Frankfurt Verspätung hatte war kaum noch Umstiegszeit vorhanden. Zum Glück war jedoch das Gate an welchem wir ankamen in der Nähe des Gates unseres Fliegers nach Lomé. Eine Passkontrolle und einem kurzen Gang zum richtigen Gate später saßen wir dann auf unseren Plätzen in einem A330. Durch die große Film- und Musikauswahl im Flieger wurde mir und meinen Mitvolontärinnen auch kaum langweilig. Zur zwischen Landung in Accra (Ghana) stieg dann unsere Aufregung. Wie sieht denn nun Afrika aus? Leider saßen wir nicht Fenster weshalb ich nicht viel bei der Landung sehen konnte. Was ich aber sah war etwas enttäuschend. Es regnete in Strömen und es war kein einziger Sonnenstrahl zu sehen. So habe ich mir das in Afrika nicht vorgestellt.

Da die meisten Passagiere aus dem Flieger in Accra ausstiegen und wir nun fast einen Privatjet hatten konnte jede von uns 4 Volontärinnen einen Fensterplatz ergattern, um Togo schon einmal von oben betrachten zu können. Im Landeanflug sahen wir es dann, das Land was für die kommenden 12 Monate unser zu Hause sein sollte. Die Landschaft war total grün und nur ab und zu von rötlichen Wegen durchzogen. Manchmal sah man Felder, aber diese waren nicht wie in  Deutschland Schachbrettartig angeordnet, sondern ohne Rechtewinkel einfach irgendwie und irgendwo angelegt worden. Man sah schon von weit oben: das ist nicht Deutschland und auch nicht Europa.

Kaum aus dem Flugzeug ausgestiegen durchliefen wir erneut einer Passkontrolle, dann eine Impfausweiskontrolle (Gelbfieber ist eine Pflichtimpfung um Togo besuchen zu dürfen) und eine Visakontrolle. Nach all den Kontrollen durften wir endlich unsere Koffer wohlbehalten und vor allem vollständig entgegen nehmen. Mit dem Flughafen W-LAN wurden dann natürlich erstmal die Freunde und Familien in Deutschland benachrichtig, dass wir alle gut in Lomé gelandet sind und ab nun afrikanische Luft einatmen.

Gleich hinter der Zollkontrolle wurden wir dann von einem Mitarbeiter des YMCAs in Empfang genommen. Wir vier bemerkten aber auch sofort beim Verlassen des Flughafens, wie wir hier sehr neugierig beäugt werden. Ein komisches Gefühl. Unser Abholer brachte uns dann zu einem Auto mit Fahrer in welches wir mit all unserem ganzen Gepäck gequetscht wurden. Zu dritt mit einem großen Koffer und drei Rucksäcken auf der Rückbank und zu dritt auf der Vordersitzbank war das Auto gut voll und es ging los. Wir wussten zwar nicht genau wohin aber vertrauten einfach darauf, dass das alles so richtig sei. Aus dem Fenster heraus betrachteten wir dann die Straße. Es war zwar schon dunkel aber es war immer noch viel los. An den Straßenrändern standen Frauen mit Körben auf dem Kopf, die Bananen oder anderes verkauften, manchmal waren aus Kästen improvisierte Theken aufgebaut an denen man Schnäpse kaufen kann und neben uns schlängelten sich Mopeds (hier Moto genannt) vorbei. An jeder Straßenecke stieg mir ein neuer Geruch in die Nase. Keiner von ihnen war mir bekannt und als Parfum würde ich sie mir auch nicht zwingend zu legen. Eine holprige Autofahrt später hielten wir an einem Haus und es war Zeit für die erste von uns auszusteigen und ihre Gastfamilie kennen zu lernen.

Ohne Laura ging es dann weiter. Eine weitere gefühlt noch holprigere Fahrt später, war ich an der Reihe auszusteigen und mein zu Hause für die kommenden 3 Monate zu betreten. Es war alles etwas seltsam, denn ich war mit meine Gastgeschwistern (zwei Mädchen 19 und 17 Jahre alt und ein Junge 12 Jahre alt) und einer Freiwilligen aus England allein zu Hause. Auf einer Mischung aus Englisch und Französisch erklärten mir sie dann, dass die Eltern noch unterwegs seien, aber für mich schon Abendbrot gekocht war. Es gab Spaghetti! Etwas Gewohntes in sehr ungewohnter Umgebung. Da ich jedoch total übermüdet, durch das zeitige Aufstehen und den langen Flug, auf welchem ich kein Auge zu gemacht habe, war, ging ich ins Bett bevor meine Gasteltern nach Hause kamen. Nach dem ich noch mein Moskitozelt aufgebaut hatte und mein Schlafanzug gefunden habe, konnte ich nun totmüde ins Bett.

Und nun sitze ich hier in meinem Zimmer und schreibe diesen Blog. Das Klima ist gerade wahnsinnig feucht und es fühlt sich so an als ob man gerade geduscht hätte und sich dann nicht abgetrocknet, die Temperaturen lassen sich jedoch aushalten. Die Vögel zwitschern hier etwas anders als zu Hause viel höher und der Hahn der Nachbarn kräht alle 10 Minuten. Alles in allem fühlt und hört es sich etwa so an als sei man im Gondwanaland (Tropenhalle des Leipziger Zoos).

Bis bald

Helene

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