Beninreise Teil 3: fast wie Europa

Wie bisher jeden Tag unserer Reise klingelte auch am 30. Unser Wecker wieder viel zu zeitig. Schließlich mussten wir pünktlich den Postbus nach Cotounou erwischen. Also packten wir wiedermal noch halbschlafend unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg.

Netterweise hatte uns Akim angeboten und morgens abzuholen und zum abfahrtspunkt des Postbusses zu fahren. Zu so einem Angebot konnten wir natürlich nicht „Nein“ sagen und so stand Akim wieder mal pünktlich und gut gelaunt, wie immer, mit seinem Auto vor dem Hotel.

Am Bus kauften wir uns noch schnell ein Paar Croissants für die Fahrt und die Reise einmal längs durch Benin vom Norden bis an die Küste konnte losgehen.

Die Fahrt war mit über 12 Stunden mit nur einer 10 minütigen Pause zwar echt lange und anstrengend, aber durch das gratis W-Lan im Bus konnte ich die Zeit gut nutzen um mich einmal bei all meinen Freunden und Familienmitgliedern zu melden und endlich mal wieder neue Musik downzuloaden.

Landschaftlich unterscheidet sich Benin eigentlich kaum von Togo und auch die kleinen Dörfer, durch die wir gefahren sind hätten genauso gut in Togo sein können. In Cotounou jedoch merkten wir recht schnell einige Unterschiede zu Togo. Auf den Straßen war gefühlt noch mehr los als Lomé, Mototaxen waren gekennzeichnet durch neongelbe Westen die die Fahrer trugen, es gab viel mehr geteerte Straßen und auch viele mehrgeschössige Häuser. Insgesamt merkte man in Cotounou schnell, dass Benin ein wohlhabenderes Land als Togo ist, was wohl auch an der besseren politischen Situation Benins liegt.

Da wir bis zu unserer endgültigen Ankunft in Benin uns noch keine Gedanken gemacht hatten, wo wir die nächsten zwei Nächte schlafen würden. Fragten wir an der Busstation mitten irgendwo im riesigen Cotounou eine Ordensschwester, ob sie vielleicht wüsste wo wir drei möglichst günstig, noch so spontan eine Unterkunft finden würde. Sie empfahl uns eine Auberge (sehr einfach Unterkunft), die wohl zu einem katholischen Orden gehören würde und kümmerte sich sogar netterweise darum den Motofahrern den Weg dahin zu erklären.

An der Auberge angekommen fanden wir allerdings keine Person, die sich für die Auberge verantwortlich fühlte und nach langem Suchen mussten wir aufgeben und uns doch noch nach einer anderen Unterkunft umsehen. Da wir ja nicht einmal annähernd eine Idee hatten, wo genau in Cotounou wir uns befanden, fragten wir kurzerhand unsere Motofahrer ob sie vielleicht eine Auberge in der Nähe kannten. Wir hatten Glück und einer kannte eine.

Diese Auberge zu der wir nun gebracht wurden befand sich direkt über einer Bar. Da wir viel zu Müde waren um noch weiter zu suchen. Namen wir einfach ohne nachzudenken das Zimmer. Dass dies wohl der größte Fehler unserer Reise werden sollte ahnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht.

Nach dem wir unsere Rucksäcke im Zimmer abgestellt und uns kurz erholt hatten, zog es uns drei noch einmal auf die Straßen von Cotounou. Wir spazierten ein wenig durch das Viertel in dem wir uns befanden und aßen in einer kleinen Bar Reis mit Tomatensauce.

Abend kam dann jedoch die Überraschung. Die total übersteuerten Musikboxen der Bar waren direkt unter dem Fenster unseres Zimmers angebracht. Selbst mit Oropax war die Musik noch wahnsinnig laut. Wir fühlten uns, als ob wir direkt auf der Tanzfläche schlafen wollten und das ganze Bett wackelte von der Musik. An Schlaf war nicht zu denken und so verbrachte ich eine wahnsinnig unruhige Nacht in der ich nur ab und zu kurz wegdämmerte.

Aber diese furchtbare Nacht sollte uns nicht von unseren Plänen für den kommenden Tag abhalten. Wir wollten nach Ganvié fahren. Ein Dorf, was in einem See bei Cotounou erbaut wurd, und quasi auf Stelzen steht. Stolz nennen es die Beniner „das Venedig von Westafrika“. Das dieser Titel wohl etwas optimistisch war, war uns von Anfang an bewusst. Trotzdem waren wir auf dieses besondere Dorf gespannt.

Mit einer Piroge fuhren wir vom Hafen, durch den See, in das Dorf. Im See sahen wir viele Fischer und schon einzelne kleine Hütten. Diese einzelne Hütten befanden sich meist dort, wo vorher Baumstämme oder Palmenwedel in den Grund des Sees gesteckt wurden und jetzt aus dem Wasser herausragten. Unser Guide erklärte uns, das diese in den Grund gesteckten Pflanzen mit der Zeit verrotten und so den Fischen als Nahrung dienen. Außerdem markierten so die Fischer ihre Gebiete. In den Hütten sitzen dann die Fischer und passen auf, dass kein anderer Fischer kommt und in ihrem Gebiet die Fische klaut.

Das Dorf selber war ziemlich Bunt, da viele Familien ihre Holzhäuser bunt anmalen. Es gab auf dem Wasser sogar eine Bar, einen Souvenirshop, ein Hotel, mehrere Kirchen und einen Schulkomplex. Außerdem gab es an einer Stelle eine aufgeschüttete Fläche die sogar mit Grasbewachsen war. Unser Guide meinte, man hätte diese „Insel“ angelegt, damit die Kinder besser laufen können, da der Platz in den Hütten häufig dafür nicht ausreicht.

Auch einen Markt gibt es in Ganvié. Er ist mehr eine unbebaute Fläche, zu der viele Frauen mit ihren Pirogen fahren, um dann dort mit Obst, Gemüse, Medikamenten und anderen Produkten zu handeln. Für mich sah dieses Handeln nach einer ziemlich wackeligen Angelegenheit aus, aber unser Guide meinte, dass die Kinder in Ganvié oft schon mit5 Jahren eine eigen Piroge bekommen würden, also waren die Frauen wohl gut in Übung.

Nach diesem spannenden Ausflug nach Ganvié fuhren wir kurz zurück zu unserer Auberge um uns Badesachen anzuziehen und ein paar Sachen zusammen zupacken. Wir wollten noch ein letztes AMl in 2017 ans Meer.

In einem Reiseführer hatten wir von einem Hotel gelesen an dem es wohl einen sicheren Strandabschnitt gebe. Die Motos kannten dieses Hotel und brachten uns dorthin. Der Reiseführer hatte nicht zu viel versprochen und wir waren an einem echt schönen Badestrand und genossen dort den Nachmittag.

Nach genügend Zeit im Strand ging es noch einmal zurück zum Hotel, wo wir uns für den Abend fertig machten. SChließlich war es der 31. und somit Sylvester. Der Plan bestand darin in eine Pizzeria zu gehen und anschließend in einer Bar ins neue Jahr zu starten.

Die Pizzeria war echt unglaublich schön und die Pizza war fast wie in Europa und um Längen besser als die Pizzen, die ich aus Lomé kenne. Die Pizzeria befand sich in einem wohl sehr noblen Viertel von Cotounou und so erkundeten wir nach dem guten Abendessen noch ein wenig die Straße. Es reihte sich ein hübsches Restaurant ans Nächste. Alle Restaurants waren westlich eingerichtet und man hätte auch genauso gut in einer europäischen Touristenstadt durch die Straßen laufen können. Das erste Mal seit meinem Abflug merkte ich nicht, dass ich eigentlich in Afrika bin. Nachdem wir uns noch in einer süßen Eisbar richtig leckeres Eis (für mich in Oreo-Geschmack) gegönnt hatten, fuhren wir weiter in eine Bar um dort Mitternacht anzustoßen und den restlichen Abend zu verbringen.

Nach einem langen Abend entschieden wir uns irgendwann wieder zur Auberge zu fahren. Wir waren müde und wollten schlafen. Leider war es auch in dieser Nacht eher nichts mit schlafen. Die Boxen waren gefühlt noch lauter und die Musik noch nerviger, als die Nacht davor. Bis zum nächsten Morgen um zehn Uhr wurden wir beschallt. In dieser Nacht habe ich Cotounou verflucht. Naja wenigstens konnte so das gerade angefangene Jahr nur besser werden.

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Beninreise Teil 2: Auf Safari

Nach der erholsamen Nacht im Hotel, erwartete uns am nächsten Morgen ein wunderbares Frühstück mit Papaya, Baguette und Marmelade. Gegen 11.00Uhr sollten wir von unserem Guide Akim abgeholt werden. Es blieb also genügend Zeit uns das Frühstück in Ruhe schmecken zu lassen und danach noch einmal zur Bank zu gehen und hoffentlich Geld abzuheben. So gingen wir also nach dem leckeren Essen noch einmal zur Bank und versuchten unser Glück. Saphira steckte die Karte in den Automat, gab ihren Pin ein und wählte den entsprechenden Geldbetrag. Ein bisschen mulmig war mir schon in diesem Moment. Doch dann kam das erlösende Geräusch, der Automat ratterte und spuckte schließlich das Geld aus. Selten war ich so erleichtert über einen funktionierenden Geldautomaten.

Mit frischem Geld in der Tasche gingen wir dann wieder zurück zu unserem Hotel um noch schnell unsere Taschen zu packen und auf Akim zu warten.

Pünktlich und gut gelaunt kam Akim an, verstaute unsere Rucksäcke im Kofferraum und es konnte losgehen. Völlig aufgeregt saßen wir also nun in Akims Toyota und freuten uns auf unsere erste Safari. Die Fahrt zum Park führte uns vorbei an einigen Baumwollfeldern und winzigen Dörfern ohne Stromanschluss. Ich war fasziniert von diesen kleinen abschotteten Dörfern und Akim konnte uns viel über das anstrengende und schwierige Leben der Menschen die dort wohnten erzählen.

Nach einer ca. zwei stündigen Fahrt kamen wir dann endlich am Eingang des Parks an. An einer kleinen Kasse bezahlten wir den Eintritt und kletterten zurück ins Auto. Zwei Männer öffneten vor uns das große Tor, was der Eingang zum Nationalpark war. Ein bisschen erinnerte mich das alles an JurassicParc.

Die Straßen im Park waren sehr staubig und dadurch, dass gerade Trockenzeit war, wirbelten wir mit dem Auto den ganzen roten Staub auf. Binnen kurzer Zeit waren meine ganzen Haare und mein Gesicht rot-orange gefärbt. Da wir gerade durch die Mittagshitze fuhren, meinte Akim, dass wir wohl jetzt erstmal weniger Tiere sehen würden und direkt zur Lodge fahren um dort Pause zu machen bis es etwas kühler wird und später nochmal los fahren. Wir hatten kein Problem damit und bestaunten auf dem Weg zur Lodge die faszinierende Landschaft. Wir hatten sogar das Glück bereits auf dem Weg zur Lodge ein paar Tiere zu erspähen. Eine Gruppe Affen hatte es sich auf der Straße gemütlich gemacht und am Rand im Gebüsch sahen wir immer mal ein paar Gazellen bei der Mittagsruhe.

Die Lodge im Park (Pendjari-Hotel) war echt toll. Viele kleine Bungalows standen um einen größeren Pavillon herum. In dem Pavillon befanden sich die Rezeption und das Restaurant, sowie eine große Karte des Parks und eine Liste mit Tieren die im Park leben. Es sollte Löwen, Elefanten, Büffel, Antilopen, Gazellen, Affen, Warzenschweine, Hyänen und Geparden geben. Wobei es hieß, dass man Raubtiere nur mit sehr viel Glück zu Gesicht bekommen würde. Wir hofften auf das Beste.

Nach der kurzen Pause in der wir unser Zimmer bezogen ging es weiter. Akim hatte extra für uns die Sitze auf dem Dach des Autos ausgeklappt und so konnten wir auf dem Dach des  Autos mit noch besserer Sicht als im Auto unsere Safari vortführen.

Während neben uns die Sonne unterging fuhren wir also noch einmal durch die atemberaubende Landschaft und hielten konzentriert Ausschau nach den Tieren. Wieder sahen wir Gazellen und einige Affen. Auch Warzenschweine und Antilopen kreuzten unsere Straße und an einem Wasserloch konnten wir Krokodile und ein Teil vom Rücken eines Flusspferdes sehen. Nur Elefanten und Raubtiere fehlten uns noch. Aber wir sahen schon immer mal Elefanten-kacke am Wegesrand liegen. Es musste also wirklich Elefanten in dem Park geben. Leider sollten wir an dem Abend keine sehen und so fuhren wir ein klein bisschen enttäuscht aber trotzdem überwältigt und fasziniert zurück zur Lodge. Es war ja auch schon ganz schön kühl geworden.

In der Lodge liesen wir uns dann noch ein hervorragendes Abendbrot schmecken und vielen schnell ins Bett, da es am nächsten Morgen ja wieder sehr zeitig losgehen sollte.

Noch vor Sonnenaufgang trafen wir uns am nächsten Morgen mit Akim an seinem Auto und kletterten Flink auf das Dach. Wir freuten uns trotz der sehr zeitigen Uhrzeit, dass es weiterging, und hofften heute mehr Glück zu haben. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte, war wie kalt es in manchmal in Afrika werden kann und so frohr ich während der gesamten morgendlichen Safari, wie ich es nicht mal im Winter in Deutschland tu.

Aber das frieren sollte nicht unbelohnt bleiben. Wieder sahen wir Gazellen und Antilopen, die es im Pendjari-Park echt zu Haufen gibt. Aber es sollte nicht dabei bleiben. Auch große Pferdeantilopen und viele verschiedene Vogelarten konnten wir sehen und dann das Highlight!

Mitten auf unserer Straße stand eine Herde Elefanten. Es war beeindruckend diese riesigen Tiere wieder zu sehen. DA sie allerdings auch junge hatten, trauten hielten wir etwas Sicherheitsabstand, was sich auch als Weise herausstellte, da sich die Elefanten wohl von uns bedroht fühlten und gefährlich auf das Auto zurannten. Wenn so ein riesiges Tier, trötent auf dein Auto zu rennt kann man es schon mal mit der Angst zu tun bekommen und so liesen wir die Tiere lieber wieder in Ruhe und fuhren in die andere Richtung weiter.

Ein weiteres Highlight war eine Hyäne auf Jagd, die wir sahen. Ein weiterer Guide an dem wir vorbei fuhren berichtet Akim von einer Stelle, wo er gerade Löwen gesehen hatte. Echte Löwen! Unsere Aufmerksamkeit war geweckt. Schnell fuhr uns Akim zu der angeblichen Stelle, doch leider konnten wir die Löwen nicht mehr sehen. Aber wir konnten sie noch hören. (Wusstet ihr, dass Löwen ähnlich wie Hunde bellen? Mir war das neu.)  Also fuhr Akim in eine andere Straße in der Nähe des Gebietes und versuchte noch irgendeine Stelle zu finden, wo wir die Löwen sehen könnten. Leider waren all seine Bemühungen vergeblich. Mich störte das allerdings nicht so sehr. Ich meine wir hatten schon viele verschiedene Tiere ganz aus der Nähe gesehen, mussten vor Elefanten flüchten und hatten die Löwen zumindest gehört. Was will man mehr?

Da die Sonne auch schon wieder hoch stand und es langsam Mittag wurde, wurde es für uns auch wieder Zeit den Park zu verlassen. Wir fuhren noch einmal durch die atemberaubende Landschaft bis zum großen Tor. Dort meldeten wir uns ab und fuhren an den kleinen Dörfern vorbei wieder zurück Richtung Zivilisation. Bevor wir jedoch wieder endgültig in das nächst größere Dorf fuhren, bog Akim mit uns noch einmal auf einen kleinen Pfad ab um uns noch einen Wasserfall zu zeigen. Leider hatten wir keine Badesachen dabei und konnten so nur die Füße im kalten Wasser baumeln lassen. Trotzdem war der Wasserfall echt schön und beeindruckend.

Nach diesem kurzen Abstecher brachte uns Akim zurück nach Natitingou in ein sehr schönes Hotel und wir verabschiedeten uns von ihm.

Nach einer langen Dusche in der ich versuchte mich von dem roten Safari-Staub zu befreien liesen wir diesen wunderbaren Tag noch mit einem guten Essen auf der Terrasse des Hotels ausklingen. Die Zeit im Norden von Benin war nun wieder vorbei. Am Nächsten Morgen sollte es weiter nach Cotounou (Benins Hauptstadt) gehen. Bisher verlief alles perfekt und wir waren gespannt auf unsere weitere Reise.

Beninreise Teil 1: Los geht die Reise

Zwischen Weihnachten und Neujahr hatte der YMCA geschlossen und meine Mitfreiwilligen und ich also so zusagen „Weihnachtsferien“ und es wär ja verschenkte Zeit gewesen hätten wir die Ferien nicht genutzt um ein bisschen mehr von Afrika zu entdecken und auf Reise zu gehen. Unser Ziel: Benin, das östliche Nachbarland von Togo.

Das Visum war schnell auf der beninischen Botschaft hier in Lomé beantragt und so hatten wir schon vor Weihnachten alle einen neuen Stempel in unserem Pass und unserem Vorhaben stand nichts mehr im Wege.

Am 27. Dezember ging es dann los. Der Wecker klingelte uns alle kurz vor fünf Uhr aus dem Bett und um halb sechs saßen wir schon auf den Motos die uns zur Fernbusstation brachten. Ja, ihr habt euch nicht verlesen! Hier in Togo gibt es tatsächlich ein Unternehmen, was dem deutschen Flixbus nahe kommt und täglich Fahrten von Lomé nach Kara und zurück anbietet.

Schnell waren unsere Rucksäcke im Bus verstaut und die Fahrt acht-stündige Fahrt nach Kara konnte losgehen. An sich war diesmal zwar der Bus etwas unkomfortabler, als der Postbus mit dem ich das letzte Mal nach Kara gefahren bin, dafür war er aber einiges schneller und zum Glück nicht ganz so sehr runtergekühlt.

Überwiegend schlafend brachten wir die Busfahrt schnell hinter uns und erreichten schon kurz nach halb drei Kara. In Kara sollte unser Abenteuer richtig losgehen. Natürlich hatten wir noch nicht so ganz einen Plan, wie wir nun von der Busstation zur togoisch-beninischen Grenze kommen sollten. Also fragten wir kurzerhand jemanden auf der Straße. Er organisierte uns schnell zu einem fairen Preis ein Taxi, welches uns zur Grenze bringen sollte. In Benin dann sollten wir ein neues Taxi nach in das Grenznäheste Dorf nehmen und dann dort nochmal ein neues Taxi suchen, was uns zu unserem nochmal ca. zwei Stunden entfernten Ziel Natitingou fährt.

Problemlos fuhren wir also weiter zum Grenzübergang. Dort sattelten wir wieder unsere Rucksäcke auf. Als erstes zeigten wir unsere Pässe mit den Visa den togoischen Grenzbeamten. Diese schrieben uns in ein dickes Buch ein, um zu dokumentieren wer das Land betritt und verlässt, gaben uns jeweils einen neuen Stempel in unsere Pässe und schwätzten kurz mit uns. Ich glaube drei deutsche Mädchen die von Togo nach Beninreisen sieht man auch als Grenzbeamter nicht so oft. Danach ging es weiter zu einem vom Gesundheitsamt, der unsere Impfausweise kontrollierte um sicherzustellen, dass wir alle gegen Gelbfieber geimpft sind. Darauf folgte ein kurzer Fußmarsch durchs Niemandsland (wir waren ja jetzt quasi weder in Togo noch in Benin) und schließlich erreichten wir die beninischen Grenzbeamten. Erneut zeigten wir unsere Pässe, liesen uns in ein weiteres dickes Buch eintragen, bekamen einen neuen Stempel in den Reisepass und wurden wieder neugierig ausgefragt, wie es kommt das drei so junge, hellhäutige Frauen aus Deutschland von Togo nach Benin reisen.

Nach dem ganzen Grenzprozedere verlief eigentlich alles wie geplant und wir fanden immer schnell ein neues Taxi. Das Einzige was wir jedoch nicht eingeplant hatten, war die Zeitverschiebung. In Benin ist es nämlich eine Stunde später als in Togo (also die gleiche Zeit wie in Deutschland) und da sich manche Handys ja von selber umstellen, kam es kurz im Taxi zu großer Verwirrung, wie spät es denn nun sei, da manche Uhren schon umgestellt waren und manche eben nicht. Aber auch das war schnell geklärt und so erreichten wir bald wohlbehalten unser Hotel in Natitingou, wo schon Akim, unser Guide und Fahrer für die nächsten 2 Tage, auf uns wartete um uns zu begrüßen und noch einmal alles abzusprechen. Schnell brachten wir danach unsere Rucksäcke in unser Zimmer und machten uns dann noch einmal auf genügend Trinkwasser und Geld für die nächsten Tage und irgendwas zum Abendbrot zu suchen.

Am Bankautomat, dann der Schock, aus irgendeinem Grund wollte der Automat Saphira kein Geld ausspucken, bei Laura hat es aber geklappt und das dumme daran: da meine Karte zur Zeit auch nicht funktioniert (das ist aber eine andere Geschichte) sollte Saphira eigentlich das Geld für uns beide abheben. Für den Abend und den nächsten Morgen hatten wir  zwar noch genug Geld einstecken. Aber da die nächsten Tage recht preisintensiv werden sollten, sah ich schon kurz unsere ganzen Pläne ins Wasser fallen.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl suchten wir uns dann erstmal was zum Essen. In einer kleinen Hütte in einer Seitenstraße fanden wir Spaghetti und liesen diese uns schmecken. Die Wirtin war unglaublich nett und machte uns sogar noch zum Nachtisch einen Obstsalat mit Melone, Papaya und Bananen. So liesen sich auch unsere Geldsorgen kurz vergessen und wir konnten unseren ersten Urlaubsabend genießen. Bisher lief ja auch eigentlich alles wie am Schnürchen. Wir hatten es Problemlos und schnell von Lomé nach Kara geschafft, ohne Probleme die Grenze überquert, ein ordentliches Hotel gefunden (indem wir zwar die einzigen Gäste waren, aber das war uns egal) und schon unseren Guide und Fahrer für die nächsten Tage kennen gelernt und das Geldproblem würde sich bestimmt noch klären lassen.

Voll gegessen kauften wir dann noch Trinkwasser für die kommenden Tage und vielen anschließend müde und überwältigt in unsere Betten.

Weihnachten unter Palme

In den letzten Tagen haben mich viele Gefragt, wie denn mein Weihnachten, weit weg in Afrika, gewesen ist und wie man hier in Togo die Feiertage verbringt und genau diesen Fragen widme ich nun meinen neuen Blogartikel.

Da Weihnachten in Togo eh anders ist, als zu Hause, haben Alena (meiner Mitbewohnerin) und ich beschlossen, dass wir es dann auch ganz anders feiern können. Also stand der Plan schnell, dass wir gemeinsam mit Alenas Freund, der über die „Weihnachtsferien“ zu Besuch gekommen ist, zu Heiligabend an unserem Lieblingsstrand in einem, eigentlich für uns Volontäre zu teurem, Restaurant essen gehen wollen und so am Meer unter Palmen ein ruhiges Weihnachten feiern wollen.

Ruhe hatten wir auch echt nötig. Schließlich waren die letzten Arbeitstage vor Weihnachten der pure Stress im YMCA. Alena hatte gemeinsam mit Joėl eine Kinder-Bibel-Woche vorbereitet, das hieß das jeden Tag 500-700 Kinder im YMCA waren. Das Thema war „Joseph und seine Träume“ jeden Tag wurde ein Teil der Joseph-Geschichte vom Theaterclub (für den ich das Script geschrieben habe) aufgeführt, danach wurde darüber gesprochen, Lieder gesungen und gebetet und im Anschluss gab es noch verschiedene Spiele oder eine Schnitzeljagd und am letzten Tag kam sogar der Weihnachtsmann und hatte für alle Kinder eine Kleinigkeit als Geschenk dabei. Bei so vielen Kindern war natürlich allerlei Hilfe notwendig und so waren wir echt froh ein ruhiges Weihnachten zu verbringen.

Also haben wir Heiligabend uns ein leckeres Essen gegönnt, für mich gab es (wie eigentlich immer) Pommes und dazu einen leckeren frisch gegrillten Fisch und zum Nachtisch noch einen Crêpe mit Nutella. Gemeinsam liesen wir uns das Essen schmecken, redeten darüber, was wohl unsere Familien gerade machen würden und packten ein paar erste kleine Geschenke aus. Von Alena habe ich ein echt hübsches Armband und eine Packung Zimt bekommen.

Als ich dann abends wieder zurück in der Wohnung war, konnte ich endlich in Ruhe das riesige Packet von meinen Eltern auspacken. Neben DVD’s, dem neuen Marc-Uwe Kling Buch und einigen Anziehsachen die ich mir gewünscht habe, waren darin natürlich auch allerlei Süßigkeiten und Gebäck. So dass ich doch noch auf den Weihnachtlichen-Geschmack kam.

Den morgen des ersten Feiertages habe ich mir etwas Besonderes zum Frühstück gemacht. Normalerweise essen wir nämlich immer Haferflocken zum Frühstück und ich kann sie echt langsam nicht mehr sehen. Es gab Melone, Kekse und Baguette, dazu Saft und Tee. Ein richtiges Festmahl in meinen Augen. Dabei habe ich natürlich gleich einen der neuen Filme von meinen Eltern geschaut. Danach stand dann packen an, da es nach Weihnachten für mich nach Benin ging.

Am zweiten Feiertag kamen dann noch Laura und Saphira aus Atakpamé zu einer kleinen Voli-Weihnachtsfeier. Da haben wir uns nochmal selbstgebackene Plätzchen schmecken lassen und einen schönen weihnachtlichen Abend bei Kerzenschein verbracht. Bevor es dann am nächsten Morgen viel zu zeitig auf Reisen ging.

Mein togolesisches Weihnachten war zwar verglichen mit dem Trubel den es zu Hause immer an den Feiertagen gibt sehr ruhig und echt anders. Natürlich haben mir die ein oder anderen Sachen, wie zum Beispiel die Klöße meiner Mutter oder die original Nussecken von meiner Oma gefehlt, aber das werde ich ja alles noch hoffentlich so oft an den Feiertagen haben, dass ich auch dankbar dafür bin mal so ein anderes, ungewohntes, sonniges Weihnachtsfest gehabt zu haben.

Ein sonniger Weihnachtsgruß!

Heute melde ich mich nur einmal ganz kurz: Nämlich um euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen. Mein Weihnachten wird dieses Jahr ein wenig anders aussehen als üblich. Wie genau ich mein togolesisches Weihnachten verbracht habe, werdet ihr sicher bald in einem neuen Blogartikel lesen!

Also genießt den Abend und die kommenden Feiertage! Lasst euch den Gänsebraten oder was es auch sonst bei euch zu Weihnachten gibt schmecken. Und da ich mich vor dem neuen Jahr sicher nicht noch einmal melden werde, weil es jetzt für mich auf Reise geht (wohin und was ich alles erlebe erfahrt ihr auch später auf meinem Blog), wünsche ich euch gleich auch noch einen guten Start ins neue Jahr und das 2018 euch all das bringt, was ihr euch erhofft.

Life-Update: 3 Monate Afrika

Wow, schon drei Monat sind rum! Für mich ist es irgendwie manchmal immer noch unglaublich, dass ich wirklich in Togo, in Afrika bin. Die letzten drei Monate sind echt, wie im Flug vergangen und trotzdem fühlt es sich schon wie eine kleine Ewigkeit an, die es her ist seitdem ich mich zu Hause, in Deutschland, von meiner Familie und meinen Freunden verabschiedet habe.

In den letzten drei Monaten habe ich allerhand gelernt und erlebt und auch wenn man jetzt schon das Gefühl haben könnte, man kennt Togo langsam kommen immer wieder neue Überraschungen, die mich zum Staunen bringen.

Natürlich ist das Leben hier ein ganzes Stück anders, als das was ich vorher gewohnt war. Aber auch, wenn ich es selber nie von mir gedacht hätte, ich kann mich glaube an ziemlich vieles schnell umgewöhnen. So bin ich dadurch, dass die Hähne aus der Nachbarschafft ab 5 Uhr Rabatz machen, hier zum richtigen Frühaufsteher hier geworden und schlafe selbst am Wochenende selten länger als bis 6 Uhr. Auch das Wäschewaschen per Hand habe ich mittlerweile einigermaßen drauf und, auch wenn mir Handgelenk und Finger danach wehtun, habe ich das Gefühl meine Sachen ziemlich sauber zu bekommen.

Oh, und das wichtigste mein Französisch ist glaube ziemlich gut geworden. Im Radio und Fernsehen versteh ich so ziemlich alles und auf dem Markt oder bei den Verhandlungen von Moto-taxen kann ich echt gute Preise rausschlagen.

An den Wochenenden bin ich häufig mit Alena oder Karla unterwegs. Wir waren in den letzten Monaten einige Male in verschiedenen Freibädern schwimmen und auch des Öfteren im Meer baden. Außerdem probieren wir hier gerne die vielen Restaurants aus und so kenne ich schon einige ziemlich gute Pizzerien und Eisläden in Lomé.

Gerne gehe ich auch auf den Grand Marché einkaufen. Am liebsten suche ich bei den viele bunten Stoffständen nach etwas geeignetem für meine neuen Kleidungsstücke. Mein Koffer füllt sich immer mehr und mehr mit den afrikanischen Stoffen.

Außerdem heißt jetzt bald, da das erste Viertel geschafft ist, umziehen in die WG. Auch wenn mir der Abschied von meiner Gastfamilie schwer fallen wird, freuen ich mich schon darauf mit Alena zusammen zu ziehen. Vor allem freu ich mich darauf wieder selber für mich kochen zu können (meine Liste mit Gerichten die ich kochen will ist schon ewig lang) und mehr Freiräume zu haben. So müssen ich mich nicht mehr an die, mit der Familie ausgemachte, Zeit halten, wann ich zu Hause sein soll und kann etwas spontaner sein, ohne dass sich meine Gastfamilie sorgen machen muss. Und es ist ja auch immerhin für mich das erste Mal, dass ich alleine wohne (Klar, ich hab schon 1-2 Wochen alleine in den Ferien das Haus gehütet, aber das zählt ja nicht richtig!) und darauf wie das so ist bin ich schon wahnsinnig gespannt.

Den Kontakt nach Hause halte ich überwiegend über WhatsApp und ab und zu über per Skype oder Telefonat. Damit ich auch immer Up-to-date über das Leben in Leipzig bleibe und das Heimweh klein bleibt. Generell bleibt bei meinen vollgepackten Tagen hier kaum Zeit für Heimweh, was nicht heißt, dass ich ab und zu mein zu Hause, meine Familie, meine Freunde und mein altes Leben  vermisse. Aber hier gibt es so viel Neues und so viel zu entdecken, dass ich glaube auch gut und gerne für ein Jahr auf das alles verzichten und mich auf mein kleines Abenteuer in Afrika einlassen kann.

Willkommen bei Familie Eho!

Die ersten 3 Monate meines Frewilligendienstes sind nun schon vorbei und das heißt nicht nur, dass auch bereits ¼ meines Jahres hier vorüber ist, sondern auch, dass ich bald von meiner Gastfamilie in die WG mit meiner Mitfreiwilligen Alena ziehe. Doch bevor ich umziehe denke ich sollte ich mal etwas von dem Leben in einer togolesischen Familie schreiben.

Seit Ende August wohne ich und bin auch gewissermaßen ein Teil der Familie Eho. Meine für togolesische Verhältnisse kleine Gastfamilie besteht aus dem Gastvater Hubert, er ist Präsident des YMCA in der Region Maritime und arbeitet an einer Schule als „Supervisor“, meiner Gastmutter Christine, sie ist Hausfrau und kann echt gut kochen, meinen Gastschwestern Gloria, sie ist 19 Jahre alt und studiert an einer Privatuni Jura, und Eunice, sie ist 17 Jahre alt und macht gerade ihr Abitur, und meinem Gastbruder Davide, er ist 12 Jahre alt und geht noch zur Schule. Meine Gastfamilie ist sehr gastfreundlich und deshalb bin ich nicht der einzige Gast dort. Neben mir wohnt noch, seit Anfang Oktober, Karla, eine britische Volontärin die für 10 Wochen in Togo ist.

An sich verläuft das Leben in meiner Gastfamilie nicht groß anders als in meiner Familie zu Hause. Das einzige was mir gleich als etwas anderes aufgefallen ist, ist dass meine Gastfamilie nicht gemeinsam isst. Am Anfang hat mich das echt etwas gestört, weil immer alleine zu essen sehr ungewohnt für mich war. Seitdem Karla da ist esse ich allerdings mit ihr und bin so nicht mehr ganz alleine beim Essen.

Das Haus in dem die Familie wohnt ist ebenerdig und hat nur ein Stockwerk. Es ist aber verhältnismäßig echt groß und so haben alle meine Gastgeschwister ein eigenes Zimmer. Gekocht und abgewaschen wird aber, wie in Togo üblich, unter freiem Himmel. Karla und ich wohnen in einem kleinen extra Haus neben dem Haupthaus. Wir haben den Luxus, dass wir beide jeweils ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad und fließend Wasser haben. An Möbeln gibt es zwar außer zwei Betten nicht viel mehr in meinem Zimmer, aber ich habe mir in meinen Koffern so eine Art Schrank angelegt und komme damit recht gut zurecht. Außerdem verzichte ich gerne auf einen Schrank, wenn ich dafür eine echte Dusche haben kann.

Der Garten meiner Gastfamilie ist auch echt groß und sie haben sogar zwei Mango- und drei Papayabäume im Garten stehen. Dadurch ist auch immer dafür gesorgt, dass Karla und ich viel frisches Obst essen können.

An den Wochenenden kommen auch oft Freunde von Hubert zu Besuch oder Hubert nimmt Karla und mich mit zu verschiedenen Veranstaltungen vom YMCA oder Familienfeiern. Ich hatte also schon das Glück zu insgesamt 3 Hochzeiten zu gehen. Sonntagabend übt dann immer der Chor aus einer benachbarten Kirche bei uns im Garten und bringt dazu seine eigene Liveband mit. Das macht immer echt Stimmung und ist als wäre eine kleine Party bei uns im Garten.

Besonders gut verstehe ich mit meiner jüngeren Gastschwester Eunice und Karla und so verbringen wir oft die Abende damit über unsere Leben in Togo, Deutschland und Großbritannien zu reden oder lassen uns von Eunice bestimmte Sachen die uns an Togo auffallen zu erklären. Die beiden sind echt gute Freundinnen für mich geworden und es bestehen schon Pläne, dass Karla und ich uns gegenseitig besuchen wollen.

Ihr seht als ich fühle mich echt wohl bei Familie Eho und auch wenn ich mich schon auf das WG-leben mit Alena freue, wird mir der Abschied nicht leicht fallen. Aber ich werde sicher in meiner verbleibenden Zeit hier in Togo meine Gastfamilie des Öfteren besuchen gehen.