Ein Montag mit mir in Lomé

Vor meinem Fenster kräht der Hahn in einer Ohrenbetäubenden Lautstärke. Müde taste ich nach meinem Handy um zu schauen, wie spät ist. Auf meinem Handydisplay leuchtet die Zahl 4:30Uhr auf. Viel zu zeitig. Ich drehe mich noch einmal um, versuche das Krähen des Hahnes und die anderen Geräusche der langsam erwachenden Stadt Lomé auszublenden und schlafe noch einmal ein.

„Good morning, good morning,…“ lauthals trällert mein Handy meinen Aufwecksong. Es ist 6.15Uhr, Zeit für mich aufzustehen. Mit halb geschlossenen Augen fitze ich mich aus meinem Moskitonetz und trotte in mein Bad. Ich drehe den Knopf an meiner Dusche voll auf. Ich warte ein paar Sekunden, aber es kommt kein Wasser. Also zieh ich den mit Wasser gefüllten Eimer aus seiner Ecke im Badezimmer und beginne mir mit einer Schüssel das kalte Wasser ins Gesicht und über den Körper zu schütten. Frisch „geduscht“ putze ich mir die Zähne und suche mir dabei etwas zum anziehen für den Tag aus. Wie immer ist es auch heute schwül und warm, trotzdem entscheide ich mich für eine lange Jeans und ein T-shirt. Jeans halten einfach am besten die nervigen Moskitos ab. Nach dem Anziehen schmiere ich meine freien Körperstellen noch großzügig mit 50er Sonnencreme und Moskitospray ein. Deo darf natürlich auch nicht fehlen.

Nach einer Mischung aus Sonnencreme und irgendwelchen Chemikalien riechend verlasse ich nun mein kleines Gästehaus und lauf durch den Garten in das Wohnzimmer  meiner Gastfamilie. Mit einem fröhligen „Bonjour, Ҫa va?“ begrüßt mich meine Gastmutter. Ich antworte mit „Ҫa va bien!“ und setze mich an den bereits für mich gedackten Frühstückstisch. Wie jeden Morgen gibt es Baguette mit deutschem Imkerhonig und Marmelade. Dazu trinke ich Wasser und Tee und beantworte während dessen ein paar Whatsapp-Nachrichten meiner Freunde und Familie.

Immer noch etwas Müde schaue ich auf die Uhr. Es ist 7.35Uhr. Ich gehe zurück in mein Häuschen um meinen Rucksack zu holen. Ich gehe nochmal zurück zum Wohnzimmer und verabschiede mich mit „Bon journée!“.

Ich stöpsele mir meine Kopfhörer in die Ohren und verlasse das Grundstück durch das große Eisentor. Auf den roten Staubstraßen herrscht schon reges Treiben. An den Straßenrändern kann man alle möglichen Lebensmittel kaufen und in den Nähstuben werden bereits die alten Singer-Nähmaschinen mit Fußpedal betrieben und bunte Stoffe zu verschiedenen Kleidungsstücken zusammen genäht. Von vielen Menschen werde ich freundlich gegrüßt, einige Kinder schauen mich mit großen Augen an und fangen freudig an zu lachen, wenn ich ihnen zu winke. Ab und zu kreuzt eine Henne mit ihren Küken meinen Weg. Ich laufe vorbei an verschieden großen Häusern und allerlei Plastikmüll, der hier in Lomé überall herum liegt.

Nach ca. 10-15 Minuten und schätzungsweise 5 erfolgreich abgelehnten Angeboten von Mototaxifahrern mich mit zunehmen erreiche ich die große geteerte Straße des 13 Januars. Die Luft ist dick und stinkt nach beisenden Abgasen. Die alten Autos und unzähligen Mopeds schieben sich laut hupend durch den stockenden Berufsverkehr. Ich warte stelle mich wie jeden Morgen vor die Pharmacie Bethel und warte auf das Auto, was mich und meine drei Mitfreiwilligen einsammelt und zum YMCA bringt. Heute mit nur 5 Minuten Verspätung, also in togolesischer Zeitrechnung überpünktlich, kommt der silberne Skoda angefahren und ich steige ein. Alena und Saphira sitzen bereits im Auto und wir unterhalten uns über unsere unterschiedlichen Aktivitäten am Wochenende. Nachdem wir noch Laura eingesammelt haben und insgesamt eine dreiviertel Stunde durch Lomé gefahren sind kommen wir endlich im YMCA an.

Sharon kommt auch gerade an und schließt die Bibliothek, unseren Arbeitsplatz auf. Jeder von uns schnappt sich einen Besen und wir beginnen den roten Sand, der sich im Laufe des letzten Freitags und des Wochenendes angesammelt hat raus zu kehren.

Es ist kurz nach Neun. Das bedeutet an jedem Montagmorgen Meditation und Mitarbeiterrunde. Gemeinsam gehen wir in den Konferrenzsaal des YMCA und helfen noch schnell beim Verteilen der Liedhefte im Stuhlkreis. Nach ein Paar Liedern und einer kurzen Bibeleinführung tauschen sich die Verantwortlichen der Arbeitsteams darüber aus, was so in der kommenden Zeit ansteht und woran in der letzten Woche gearbeitet ist. Ich bin immer noch Müde und kann dem ganzen Französisch nicht mehr folgen. Plötzlich fällt jedoch mein Name und alle schauen mich erwartungsvoll an. Mist, worüber wurde gerade gesprochen? Saphira, die neben mir sitzt flüstert mir „Das Camp!“ zu. Das ist es also ich geh einfach mal davon aus, dass ich etwas vom Camp erzählen soll. In gebrochenem Französisch hasple ich schnell zusammen, dass es mir gefallen hat und für mich eine tolle Erfahrung war. Der Kreis nickt zufrieden und wendet sich an Alena. Alena gibt auch noch einen Kommentar zum Camp ab. Nach zwei Stunden ist dann die wöchentliche Mitarbeiterversammlung beendet und es wird noch einmal ein Lied gesungen und gebetet. Ich helfe noch einmal beim Aufräumen des Aales und gehe dann mit meinen Mitfreiwilligen wieder zurück zur Bibliothek.

Nun steht die Wochenplanung an. Mit allen Mitarbeitern aus der Bibliothek quetschen wir uns vor den Bildschirm des Computers und unser Mentor Blaise öffnet eine neue Datei. Wir füllen die Woche mit allerlei Erledigungen für unsere „Card de sejour“ (Visum), Aktivitäten für die Kinder und dem Deutschkurs für die Mitarbeiter, der von uns Deutschen geleitet wird.

Nach reichlichen Diskussionen haben wir auch das geschafft und es ist Zeit für die Mittagspause. Gemütlich laufe ich mit Sharon, Alena, Saphira und Laura rüber zur Küche des YMCA`s, wo wir jeden Tag für 500CFA, also umgerechnet 90 Cent, uns ein Mittagessen kaufen können. Wie eigentlich fast immer gibt es irgendeine Art von Patt oder Reis mit Tomatensoße. Die Entscheidung fällt mir leicht.

Frisch gestärkt vom Reis mit Tomatensoße entschließe ich mich noch den Rest meiner zwei-stündigen Mittagspause zu nutzen und gehe noch zur Post um einen Brief abzuschicken. Die Mittagssonne knallt auf die Straße. Zu dieser Zeit sind verhältnismäßig wenig Autos und Motos unterwegs. Ich laufe durch den erhitzten Sand und betrete die klimatisierte aber rammelvolle Postfilliale. Nach 20 Minuten Wartezeit werde ich endlich meinen Brief los und ich laufe, vorbei an ein paar kleinen Straßenständen mit Süßigkeiten, Baguette oder Obst, zurück zum YMCA. Auf der Treppe vor dem YMCA sitzt wie jeden Nachmittag die freundliche Ananasverkäuferin. Für umgerechnet 40 Cent kann man sich bei ihr eine frisch aufgeschnittene herrlich saftige, süße Ananas kaufen.

Zurück in der Bibliothek fange ich an mit Alena, Saphira und Laura den Deutschkurs zu planen. Wir sind zwar noch nicht ganz fertig mit der Planung aber es ist 15.00Uhr und das heißt Animation. Wir gehen raus zum Fußballfeld des YMCA`s, wo unsere Kollegen schon die lauten Musikboxen aufgebaut haben. Die ersten Kinder sind auch schon da und wir spielen mit ihnen verschiedene Kreisspiele und tanzen den ein oder anderen Gruppentanz („Macarena“ ist dabei immer wieder ein Renner).

Pünktlich 17.00Uhr fährt, dann der silberne Skoda vom Morgen auf das Gelände des YMCA`s und hupt. Das ist unser Zeichen. Meine Mitfreiwilligen und ich verabschieden uns bei unseren Kollegen und gehen in die Bibliothek unsere Taschen holen. Müde sitzen wir dann im Auto und werden wieder nach Hause gebracht. Erst Laura, da ihre Gastfamilie sehr nah beim YMCA wohnt. Für Alena, Saphira und mich ist der Weg bis in unser Stadtviertel „Adidogomé“ etwas weiter. Die Sonne geht langsam unter, aber auf den Straßen herrscht immer noch reges Treiben. Wie auch schon am Morgen sind wieder die Straßen total verstopft. Langsam schiebt sich unser Auto durch die Straßen und die Motos schlängeln sich flink an uns vorbei. Ungeduldig hupen einige Fahrer, wenn die Verkehrspolizisten die kreuzenden Fahrzeuge durchlassen.

Endlich kommen wir bei mir an und ich steige aus. Ich verabschiede mich noch mit „Bonne soirée!“ bei Alena, Saphira und unserem Fahrer. Müde drücke ich die Klingel am Eisentor vor dem Grundstück meiner Gastfamilie. Ich höre wie Flipflops richtung Tor laufen. „C’est qui?“ (= Wer ist da?) erkundigt sich meine Gastschwester. „Bonsoir, C’est Helene!“(=Guten Abend, hier ist Helene!) antworte ich und im selben Moment öffnet meine Gastschwester mir das Tor. Wir erzählen uns kurz von unserem Tag und ich gehe danach schnell in mein Bad um mir den Staub vom Tag von den Händen zu waschen.

Mit sauberen Händen setze ich mich zu meinen Gastgeschwistern in das Wohnzimmer. Wie jeden Abend schauen meine Schwestern ihre Serie im Fernsehen, die so seicht ist, dass ich in der kurzen Zeit die ich schon hier bin schon einsteigen konnte.

Meine Gastmutter kocht währenddessen mein Abendbrot. Da es hier nicht üblich ist gemeinsam als Familie zu essen, setze ich mich schließlich alleine an den Esstisch. Es gibt gekochte Yams, die ein bisschen wie Kartoffeln schmeckt, mit Gemüse in Tomatensoße.

Nach dem Essen bleibe ich noch etwas im Wohnzimmer. Ich bin jedoch ziemlich Müde und verabschiede mich schon gegen halb Neun und laufe rüber zu meinem Häuschen. Schnell packe ich meine Tasche für morgen. Danach stelle ich mich müde unter die kalte Dusche und putze meine Zähne. Anschließend krabble ich durch den Reisverschluss meines Moskitozeltes in mein Bett. Nun schreibe ich wie jeden Abend noch in mein Tagebuch, lerne meine täglichen 3 Vokabeln Französisch und lese ein paar Seiten in einem Buch, über einen jungen Geschäftsmann der von Deutschland nach Togo geradelt ist. Trotz der vielen Geräusche aus der Nachbarschaft schlafe ich ziemlich schnell ein, denn morgen steht wieder ein voller Tag an.

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