Was ist los in Togo?

Togo spielt in der deutschen Nachrichtenwelt kaum eine Rolle, da aber anscheinend trotzdem einige von euch von der unruhigen politischen Lage in Togo gehört haben, möchte ich diesmal versuchen die politischen Unruhen aus meiner Sicht zusammen zufassen.

Seit meiner Ankunft in Togo gibt es immer wieder in verschiedenen Städten Togos (vor allem in Lomé und Kara, den beiden Universitätsstädten) große Demonstrationszüge gegen den aktuellen Präsidenten Faure Gnassingbé. Faure Gnassingbé ist der Sohn des ehemaligen Diktators von Togo und regiert mehr wie ein Diktator als ein Präsident.

Der Unmut über die togolesische Politik wächst schon seit Jahren. Die Menschen hier sehnen sich nach politischer Veränderung. Die Rufe nach Meinungs- und Pressefeiheit werden immer lauter und die Togolesen wollen auch eine bessere Verteilung der Staatsgelder. Warum ausgerechnet jetzt die Unruhen so groß sind kann man nicht genau erklären. Die letzten Wahlen waren 2015 und die nächsten stehen erst in 2 Jahren an, weshalb dies kein Grund für die Aufstände sein kann.

Das Problem bei den Aufständen ist, dass sie immer gewaltvoller werden und es sowohl auf Seiten der Armee als auch unter den Demonstrierenden schon Tote gab. Beide Seiten werden auch immer aggressiver. Für mich und meine Mitfreiwilligen heißt es deshalb an den Demotagen Hausarrest. Das Stadtviertel in dem ich wohne (Adidogomé) ist zwar etwas außerhalb von Lomé und auch recht sicher während der Demonstrationen, trotzdem gab es auch schon Tage an denen in Adidogomé Tränengas eingesetzt wurde. Ich sitze dann meist 2 Tagen in der Gastfamilie fest und versuche mich mit Malen, Zeichnen, Briefeschreiben und anderen Dingen abzulenken.

Leider wird auch meist in den Wochen in denen Demonstrationen sind das Internet in ganz Togo abgestellt und der Telefon- bzw. SMS-Kontakt ins Ausland geblockt, um zu verhindern das Informationen und Videos von den Demonstrationen nach außen gelangen. Weshalb wir Freiwilligen bei den ersten Demotagen nicht mal die Möglichkeit hatten, uns an diesen Tagen mit Telefonaten nach Hause die Zeit tot zuschlagen. Mittlerweile hat mir jedoch ein Mitarbeiter vom YMCA eine App heruntergeladen mit der ich über den Server eines anderen Landes ins Internet komme und so kann ich wenigstens WhatsApp nutzen, wenn ich schon nicht das Hausverlassen darf.

Oft wurde ich schon gefragt, ob mir die Aufstände und die unruhige Situation Angst machen. Aber ich kann ehrlich sagen, dass ich mich während der Demonstrationen sicher fühle. Ich denke, dass wenn ich mich an die Regeln, die der YMCA und meine Gastfamilie für die Demotage geben, halte, mir nichts große passieren kann und ich weiß auch, dass wenn die Situation zu Gefährlich für uns Freiwillige werden würde, der YMCA uns nach Hause, nach Deutschland schicken würde und solange dies nicht geschieht, bin ich sicher aufgehoben. Außerdem hält uns die Deutsche Botschaft in Togo mit E-Mails immer auf dem Laufenden über die Sicherheitslage im Land. Also kein Grund zur Sorge.

Eine Frage die sich mir nur immer wieder stellt ist: „Was würde mit Togo passieren, wenn man den Präsidenten stürzt?“ Ich persönlich wünsche mir für Togo eine politische Veränderung und damit natürliche eine Verbesserung der Situation vieler Togolesen. Aber ob diese positive Veränderung durch einen Machtwechsel kommt ist fraglich. Momentan ist Togo eines der sichersten Westafrikanischen Länder, nicht um sonst werden nur nach Togo im französischsprachigen Teil Westafrikas Weltwärts-Freiwillige aus Deutschland entsandt. An jeder Ecke sieht man hier Soldaten, die Kriminelle abschrecke sollen, und auch die strenge Regierung mit ihrem skrupellosen vorgehen, verhindert viel Terrorismus und Gewalt. Auch wenn Togo, also aus deutscher Sicht kein sehr sicheres Land ist, ist es aber aus westafrikanischer Sicht ein sicheres Land. Würde man jetzt, jedoch die Regierung stürzen gäbe es wahrscheinlich, ähnlich wie in den arabischen Ländern nach dem „arabischen Frühling“, viele Unruhen, da alle verschiedenen politischen und ethnischen Gruppierungen des Landes nach möglichst großen Machtanteilen streben würden und darunter könnte mit großer Wahrscheinlichkeit die Sicherheit im Land leiden. Es ist also ein schwieriges Thema und viele Togolesen mit denen ich mich unterhalten habe, wissen selbst nicht was schlimmer wäre, weiterhin Faure Gnassingbé als Präsidenten oder ein Machtwechsel mit großen Ungewissheiten.

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Malen, mein lieblings Zeitvertreib während der Demotage
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