Einmal raus aus Lomé – Ausflug nach Togoville

Nachdem meine Mitfreiwilligen und ich an den letzten Wochenenden Lomé erkundet haben, wurde es für uns Zeit mal wieder die große, laute, stickige Stadt zu verlassen und etwas mehr vom Land zu erkunden. Diesmal ging unser Ausflug an der togolesischen Küste entlang, auf der Straße die Richtung Osten aus Lomé heraus nach Benin führt, nach Togoville.

Morgens gegen 9.00Uhr wurde ich von einem Taxi, direkt zu Hause abgeholt. Im Taxi saß bereits Laura und der Taxi-Fahrer war ein Freund eines Kollegen vom YMCA. Für 6.000CFA pro Kopf, also umgerechnet schlappe 10€, fuhr uns der Taxifahrer in das ca. 1,5h entfernte Togoville am LacTogo, sollte uns durch das Dorf führen und schließlich wieder am späten Nachmittag nach Hause fahren. Dass der Plan so zu einfach war, hätte uns gleich auffallen sollen. Aber dazu später.

Nachdem wir noch Alena und Saphira eingesammelt hatten, ging es auf der Küstenstraße nach Togoville. Es war, wie immer sehr warm im Auto, aber sobald wir Lomé verlassen hatten, merkten wir vier sofort, dass die Luft außerhalb von Lomé um einiges besser war und nicht mehr ganz so sehr nach Abgasen stank. Nach einer kurzweiligen Fahrt erreichten wir den LacTogo. Unser Fahrer fuhr nun von der Straße ab und näher an den riesigen See heran.

An einer kleinen Einbuchtung standen vor dem Wasser ein paar Männer und montierten an zwei im Wasserliegenden Pirogen (Einbäume) Mast und Segel. Wobei die Segel aus aneinander genähten, alten Reissäcken bestanden. Zu einem Ausflug nach Togoville gehört es klassischerweise den See mit dem Boot zu überqueren. Unser Taxifahrer erklärte uns, dass er derweile mit dem Auto die Straße um den See nutzen würde und wir uns dann an der Kapelle in Togoville wieder treffen würden.

Bevor wie die Pirogen betraten musste jedoch noch der Preis verhandelt werden. Da man durch unsere helle Haut sofort sieht, dass wir nicht aus Togo kommen und die meisten Togolesen mit heller Haut auch Reichtum und Wohlstand assoziieren, werden wir hier bei solchen Sachen immer gerne übers Ohr gehauen. So auch diesmal. Wir bezahlten trotz Verhandlungsversuche einen viel zu hohen Preis für die halbstündige Bootsfahrt, aber dies sollte uns nicht weiter stören.

Auf dem kleinen Boot fuhren wir dann also, zur anderen Seite des LacTogos. Es war eine ganzschöne Wackelpartie und wir alle waren froh, dass an diesem Tag nur ein leichter Wind blies.

Kurz bevor wir das Ufer erreichten, kam dann die nächste Überraschung. Vier stämmige Männer kamen auf das Boot zugelaufen und hebten Laura, Alena, Saphira und mich ohne Vorwarnung aus dem Boot heraus und trugen uns den restlichen Weg bis ans Ufer, damit das Boot nicht so schwer auf den Steinen aufliegt, wie man uns später erklärte.

Am Ufer bleib jedoch keine Zeit uns von diesem Schreck zu erholen. Erneut kam eine Truppe Männer auf uns zu. Sie waren Stadtführer und baten uns an uns durch Togoville zu führen. Während ich noch damit beschäftigt war die Träger vom Boot, welche unbedingt ein Geschenk von mir wollten, abzuwimmeln, schafften es Laura, Saphira und Alena die Stadtführer loszuwerden und unsere Besichtungstour durch Togoville konnte starten.

Als erste liefen wir zur Kapelle, um dort wie ausgemacht auf unseren Taxifahrer zu warten. Auf dem Weg dorthin merkten wir jedoch schnell, dass zwei der Stadtführer uns scheinbar verfolgten. Die Kapelle, war von außen eher schlicht und echt klein für Togolesische Verhältnisse, von Innen waren ihre Wände mit allerlei Gemälden geschmückt. Besonders oft sah man Bildnisse der Heiligen Jungfrau Maria. Angeblich ist diese nämlich einmal über dem LacTogo gesichtet wurden und seitdem gilt Togoville als eine Pilgerstätte für viele afrikanische Christen.

Das Außengeländer der Kapelle, war auch beeindruckend. Es gab unzählige Sitzbänke mit Blick zu einem Blauen Altar und einer Marienstatur. Dahinter konnte man den LacTogo sehen. Wir setzten uns, nachdem wir uns ausführlich die Kapelle angeschaut hatten auf eine der Bänke und warteten auf unseren Taxi-Fahrer. Aber auch hier waren wir unsere Beobachter vom Strand noch nicht los.

Nach einiger Zeit erreichte auch unser Fahrer Togoville und fand uns ziemlich schnell. Kaum wollten wir losstarten die Stadt zu erkunden, kamen unsere Beobachter wieder an und begannen eine Diskussion auf Ewe mit unserem Taxifahrer. Wir verstanden natürlich kaum ein Wort dieser Diskussion und mussten nach Fragen was Sache ist. Unser Fahrer erklärte uns, dass es wohl eine neue Regel gäbe und man als Tourist nichtmehr eigenständig Togoville besichtigen dürfe, sondern auf einen Stadtführer von vor Ort angewiesen ist. Selbst unser Taxifahrer hatte zwar noch nie von dieser Regelung gehört aber wir ließen uns auf einen der beiden Beobachter als Stadtführer ein und es konnte endlich losgehen.

Unser Weg führte uns zuerst zu einem in Kolonialzeiten von den Deutschen erbauten Brunnen, dann zu einem Denkmal der Deutsch-Togolesischen Freundschaft, zu zwei Schulen, einem Vodoofriedhof und vielen weiteren Sehenswürdigkeiten. Togoville ist sehr stark vom Vodooglauben geprägt und so sahen wir allerhand Vodooschreine vor den Wohnhäusern und andere Symbole dieser Glaubensrichtung. Besonders eindrucksvoll war für mich der Zwillingsbaum, an dem der ältesten Rat von Togoville wohl heute noch bei Straftaten richtet. Außerdem sahen wir die Stelle an der immer mittwochs in Togoville der Tauschmarkt stattfindet. Die meisten Dinge werden nämlich in Togville nicht gegen Geld erworben, sondern durch das Tausch bestimmter Waren.

Außerdem sahen wir noch die Behausung der Königsfamilie Mlapa, deren Vorfahre damals den Vertrag mit dem deutschen Kolonialherren Nachtigall zur Kolonialisierung Togo unterschrieben hatte.

Unser Stadtführer jedoch zeigte während seiner Tour immer wieder, dass sein Wissen über Togoville eher begrenzt war. So antwortet er auf die Frage, wie alt eine der zwei Schulen sei nur mit „Sehr alt, sehr alt!“ und auch bei erneutem Nachfragen erhielten wir nicht mehr Information als, dass diese Schule nun mal sehr alt sei. Auch bei einer Kanone (siehe Bild) meinte er, dass diese aus dem Zweiten Weltkrieg von den Deutschen stamme. Als wir fragten was die Deutschen noch zum Zweiten Weltkrieg in Togo wollten, da sie ja eigentlich Togo nach dem Ersten Weltkrieg an Frankreich abgetreten hatten, wusste er ebenfalls keine Antwort.

Nach diesem anstrengenden und eindrucksvollen Tag, den wir durch die sengende Hitze viel zu Fuß gelaufen waren, versorgten wir uns noch mit zwei gezuckerten Broten (ein wenig wie Milchbrötchen) und Bananen, verabschiedeten und von unserem „Stadtführer“ und fuhren mit unserem Taxifahrer am See entlang durch eine herrliche Landschaft zurück nach Lomé.

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