Helene bei den Elefanten – Wochenendtrip nach Kara

Auch wenn Lomé eine riesige Stadt ist und ich noch lange nicht alles hier gesehen habe, hat mich in der letzten Woche mal wieder das Reisefieber gepackt. So haben Alena und ich uns spontan einen Urlaubstag auf den bevorstehenden Montag gelegt und beschlossen über dieses „verlängerte“ Wochenende nach Kara zu fahren. Für eine Unterkunft war schnell gesorgt, da in Kara zur Zeit ein deutsches Ehepaar (Sophie und Dominik) ebenfalls einen Freiwilligendienst im YMCA leistet und wir so mit bei den beiden in der Wohnung unterkommen konnten.

So klingelte also nach einer viel zu kurzen Nacht, die mehr aus Rucksackpacken als Schlafen bestand, am Samstagmorgen um 4.00Uhr mein Wecker, da der Bus der uns nach Kara bringen sollte bereits um 5.30Uhr abfuhr.  Mein Gastvater war so nett und hat mich und Alena mit dem Auto zur Poststation gebracht.

Für die Neun stündige Fahrtstrecke nach Kara haben wir uns zwei Plätze im Postbus gebucht. Der Postbus war im Gegensatz zu unserer Erwartung ein total moderner Bus, der sogar die Möglichkeit bot direkt an den Sitzplätzen die Handys zu laden. Also ein echter Luxusliner für Togo und das für gerade mal 5700 CFA! Das wir die moderne Technik im Bus bald verfluchen würden ahnten Alena und ich noch nicht als wir uns unsere Plätze im fast leeren Bus suchten.

Fast Pünktlich fuhren wir dann los. Kaum wurde jedoch der Motor gestartet, sprang auch die Klimaanlage im Bus an. Die Anfänglichen 25°C wurden schnell auf noch erträglich 20°C runtergekühlt, aber da war noch lange nicht Schluss. Die Klimaanlage kühlte den Bus immer weiter runter bis schließlich die Temperaturanzeige im Bus nur noch 13°C angab. Darauf waren Alena und ich mit unseren leichten Sommersachen nicht vorbereitet. Ich fragte also vorsichtig den Busfahrer ob es möglich wäre die Klimaanlage etwas herunter zu drehen. Als Antwort bekam ich nur: ,,Du bist Europäerin bei euch ist es noch viel Kälter! Das hier ist normal für dich!“ So setzte ich mich also bei normalen 13°C und in FlipFlops wieder auf meinen Platz und hoffte, dass die noch kommenden 8h schnell vergehen.

Während der Busfahrt sind wir an vielen Städten und Dörfern vorbeigekommen und man konnte so innerhalb von einem Tag Togo quasi im schnell durchlauf erleben. Besonders spannend fand ich dabei durch Sokodé zu fahren. In Sokodé waren die Proteste in den letzten Wochen ziemlich schlimm und es soll viele Tote gegeben haben. Wir sind zwar an einem ruhigen Tag durch Sokodé gefahren, trotzdem wahren dort noch an jeder Straßenecke Soldaten, was auf ich einen sehr einschüchternden Eindruck machte.

Nach 9h kamen wir also völlig durchgefroren im schönen Kara an. An der Bushaltestelle wurden wir auch gleich von Jol, einem Mitarbeiter vom YMCA in Lomé der zur Zeit Dominik und Sophie in Kara unterstützt, abgeholt und erstmal in die Wohnung gebracht. Nach kurzem ankommen und ein bisschen Unterhalten bei frischem Hibiskussaft ging es dann weiter auf den Grand Marché um dort genug zu esse für die kommenden Tage zu besorgen. Im Vergleich zu Lomé ist der Grand Marché jedoch eher Petite und so waren wir schnell fertig mit allen Besorgungen und Alena und ich konnten noch nach ein Paar traditionellen Stoffen schauen um uns noch mehr togolesische Kleidung schneidern zu lassen.

Direkt vom Markt aus fuhren wir zu einer kleinen Pizzeria in Kara. Der Betreiber und Koch dieser war Franzose und nach Togo gezogen. Warum hat er uns nicht erzählt, aber er schien als würde er Kara sehr mögen und so tippe ich darauf, dass er einfach nach Togo gezogen ist weil es ihm hier so gut gefällt. Bei einer echt guten Pizza und selbstgemachten Bananenlikör redete er mit uns über Europa und den Weihnachtsmarkt in Straßburg und wir fühlten uns kurz als seien wir nicht mehr in Togo sondern etwas näher an zu Hause ran. So konnte man den Abend noch gut ausklingen lassen.

Der nächste Morgen begann mit einem langen Frühstück mit selbstgemachten Joghurt und allerlei frischer Mango. Nach dem Frühstückt packten wir alle unsere Taschen für den Tag und schmierten uns noch Sandwiches für Unterwegs.

Mit Motos fuhren wir zur Taxi Sammelstelle und suchten uns dort ein Taxi, welches uns bis zu den Elefanten im Nationalpark bringen sollte. Nach langer Preisdiskussion fanden wir auch eines für einen halbwegs annehmbaren Preis und das Abenteuer konnte losgehen.

Erst einmal ging es auf der geteerten Straße los. Hier war es jedoch für mich schon spannend wie unterschiedlich die Landschaft in Kara ist. Währen Lomé noch sehr grün und feucht ist, ist es Kara wesentlich trockener und die Pflanzen sind dem entsprechend weniger grün. Nach 20 Minuten Fahrtzeit kamen wir zu einer Militärkontrolle. Nach kurzem Geplänkel mit den Soldaten durften wir von der geteerten Straße abbiegen und in den Nationalpark einfahren. Hier war die Straße schon einiges holpriger. Voller Staunen fuhren an dem 2 Meter hohen Savannengras vorbei und fühlten uns ein wenig wie auf einer Wildnissexpedition. Als sich plötzlich was im Gras neben dem Auto bewegte wurde unser Fahrer langsamer und wir sahen noch kurz wie zwei Antilopen vor unserem Auto wegrannten. Im ersten Moment dachte ich: ,,Oh wie schön zwei Rehe!“ kurz danach fiel mir jedoch wieder ein, dass ich ja in Afrika bin und das keine Rehe sondern Antilopen sind.

Mit rasantem Tempo fuhren wir weiter über die Huckelpiste. Alena meinte noch in einem Moment: ,,So schnell wie der fährt, müssen wir echt beten, dass das Auto das  aushält!“ und schon  passierte es. Es rumste einmal laut, das Auto fing an hin und her zu schlingern und dann blieben wir abrupt stehen. Unser Fahrer fing an auf Kabye zu fluchen und stieg aus. Wir blieben Regungslos im Auto sitzen. Unser Fahrer inspizierte das Auto und fragte, ob unsere Handys empfang hätten. Hatten sie natürlich nicht. Wir stiegen aus und inspizierten das Autoebemfalls. Das rechte Vorderrad stand total verdreht da. Kurze Angst machte sich in uns breit. Wir fragten uns wie es jetzt weitergehen soll. Die Sonne brannte furchtbar und wir wussten nicht wie weit es noch bis zur Forststation war. Der Weg zurück zu der Militärkontrolle war auf jeden Fall sehr weit.

Plötzlich kam jedoch unsere Rettung. Der Zufall wollte, dass gerade in dem Moment ein Moto von der Forststation auf unserer Strecke uns entgegen kam. Er sah unser gestrandetes Auto und fuhr zurück zur Station um Hilfe zu holen. Einige Minuten später kam schon ein großer Jeep angefahren und wir wurden auf seiner Ladefläche stehend zu den Elefanten gebracht während jemand anderes mit unserem Taxifahrer begann das Auto zu reparieren.

Kaum sahen wir die Elefanten war der ganze Stress vergessen. Ich hatte zwar im Zoo schon einige Male Elefanten gesehen aber ohne Zaun dazwischen ist es doch nochmal ein anderes Gefühl. Vor solchen riesen Tieren muss man einfach Respekt haben. Nach kurzem aneinander gewöhnen hatte ich jedoch auch den Mut die Elefanten zu streicheln und Fotos zu machen. So eine Elefantenhaut fühlt sich sehr seltsam an. Man hat das Gefühl sie ist so hart und krustig, dass nichts das Riesentier verletzen kann.

Nach genügend Zeit bei den Elefanten gingen wir zurück zu der Forststation um dort in Ruhe unsere Sandwiches zu essen und auf unser Taxi für den Weg zurück zu warten.

Unseren zweiten und letzten Abend in Kara verbrachten wir damit togolesisch zu kochen. Es gab Kochbananen (mittlerweile eines meiner Lieblingsgerichte) und Reis mit togolesischer Soße.

Am nächsten Morgen blieb leider nicht mehr viel Zeit uns so aßen wir gemeinsam Frühstück, danach packten Alena und ich noch schnell unsere restlichen Sachen zusammen und wir mussten uns wieder von Sophie, Dominik und Jol verabschieden.

Da an Montagen kein Postbus von Kara nach Lomé fährt mussten wir diesmal eines der typischen Buschtaxis nehmen. Ich war eigentlich ganz froh darüber mit so einem alten Minibus ohne Klimaanlage zu fahren, da mein Hals immer noch von der Hinfahrt kratzte. Das Buschtaxi war bis auf den letzten Platz besetzt und das Gepäck wurde mehr oder weniger sicher auf dem Dach verstaut. Hinter mir saß eine Frau mit lebendigem Huhn auf dem Schoß. Es klingt wie in einem Klischee, war aber real. Und so fuhren wir mit offenem Fenster zu den Klängen von lauter Reggeamusik einmal längs durch Togo zurück nach Lomé.

 

 

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One thought on “Helene bei den Elefanten – Wochenendtrip nach Kara”

  1. Vielen Dank für den schönen Bericht. Ich war im Januar selbst in Kara, weiß also recht gut, wovon Du schreibst. Im Januar werde ich wieder in Togo sein. Ob ich mir den Stress nochmal antue, in den Norden zu fahren, wage ich zu bezweifeln. Mein Schwerpunkt wird wohl diesmal auf Tagesausflügen liegen. Vielleicht ja auch mal schnell rüber nach Benin. Mit Sicherheit Togoville und bisschen auf den Spuren Nachtigalls wandeln.
    Wenn Du magst, kannst Du mir sehr gerne was schreiben.

    Herzliche Grüße
    André

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