Y-Camp – meine erste kleine Reise in Togo

Die Togolesen sind sehr spontan und genau diese Spontanität durften ich bereits während meiner zweiten Woche in Togo am eigenen Leibe erfahre.

Meine zweite Woche in Togo begann ganz normal mit der Arbeit im YMCA am Montagmorgen. Vormittags haben wir mit unseren Mentor Blaise geplant, was wir alles für die „Card de sejour“ (ein Visum für ein einjährigen Aufenthalt in Togo, welches man erst vor Ort erhalten kann) benötigen, und am Nachmittag haben wir die „Animation“ gemacht (Kreisspiele für die Kinder die den YMCA besuchen).Als wir dann alle drei Abends müde und fertig im Auto saßen um nach Hause zu fahren und endlich den Feierabend zu genießen, kam die Überraschung. Morgen würden wir nicht, wie gewohnt, um 7.20Uhr zum YMCA fahren, sondern wir würden uns bereits um 6.00Uhr mitgepackten im YMCA treffen um dann von dort aus gemeinsam nach Kamina zu starten. Kamina ist ein (sehr) kleines Dorf kurz vor Atakpamé in der Plateaux-region in Togo und mit dem Bus ca. 3-4h von Lomé entfernt. In Kamina würden wir, dann mit Jugendlichen aus ganz Togo am jährlichen „ Camp National“ teilnehmen und an einem neuen Gebäude für den YMCA bauen.

Zu Hause angekommen hieß es dann also doch noch nicht, dass ich endlich schlafen könnte. Schließlich musste ich erstmal meinen Rucksack für eine 6 tägige Reise packen und mein Moskitozelt abbauen und ebenfalls gut am Rucksack verstauen.

Nach 6h schlaf (die für mich eindeutig zu wenig waren) stand ich dann also am nächsten Morgen um 4.45Uhr auf und Frühstückte mit einer meiner jüngeren Gastschwester und einer Freundin von ihr, da die beiden auch mit zum Camp wollten. Kaum war ich fertig mit essen bekam ich eine Nachricht von unserem Mentor und er teilte mir mit, wir uns wohl doch erst um 11.00Uhr am YMCA treffen, da es wohl Probleme mit dem Bus gäbe. Ich freute mich also kurz und legte mich noch einmal für 3h schlafen.

Weitaus besser ausgeschlafen brachte mein Gastvater meine Gastschwester, ihre Freundin und mich dann zum YMCA. Da der Schaden am Bus wohl doch komplizierter war als gedacht, warteten wir nun dort noch weitere 6h.

Gegen 17.00Uhr und mit nur 10h Verspätung konnte es, nach einem kurzen Gebet damit der Bus die Fahrt durchhält, endlich losgehen, meine erste Reise durch Togo. Da ich ja zu dem Zeitpunkt noch nicht viel von Togo gesehen hatte kamen mir die 4h fahrt vor als wär es nur 1h gewesen. Auf der Straße neben uns fuhren unzählige Autos die Bis unters Dach voll gestapft waren. Da waren Autos auf deren Dächer Hühner festgesurrt waren oder in denen die Sitze ausgebaut wurden und sich stattdessen Mais, Yams oder andere Gemüse befanden. Wenn ein Auto mal dem Personentransport diente, dann saßen immer mind. 2 Personen mehr im Auto als es Sitzplätze gab. Unser Bus muss jedoch auf andere Autos auch einen sehr verrückten Eindruck gemacht haben, denn die meisten Fahrer starrten unseren Bus ziemlich entgeistert an. Was wohl nicht zuletzt an der aus dem Bus dringenden Lautstärke lag. Mit riesigen Boxen wurde nämlich in unserem Bus ein Mischmasch aus aktuellen afrikanischen Hits und Alltime-favourites abgespielt und live mit Trommeln und Gesang begleitet. Spätestens bei dem Hit YMCA (der ja offensichtlich auf einer Reise mit dem YMCA nicht fehlen darf) tanzte der ganze Bus wild mit und es saß kaum noch jemand auf seinem Sitzplatz.

Laut dröhnend fuhren wir also durch die Togolesische Landschaft und ich wusste gar nicht, was mich mehr beeindruckte die Dörfer am Straßenrand an denen wir vorbei fuhren oder die gute Stimmung im Bus. Wir fuhren vorbei an ärmlichen Dörfern aus kleinen Häusern mit Strohdächern in denen Kindern mit verlumpten T-Shirts Fußball spielten, Frauen allerlei Dinge in Körben auf dem Kopf transportierten. Wenn wir nicht an Dörfern vorbei fuhren, war der Straßenrand grün bewachsen mit allerlei für mich neuen Pflanzen.

Während einer kurzen Toilettenpause, wobei die Toilette lediglich aus einem Gebüsch bestand, stiegen in den Bus drei Straßenhändler ein, die aus den Körben von ihren Köpfen kalte Getränke, hart gekochte Eier und Brote verkauften. Beinahe hätten wir im Bus auch einen dieser Verkäufer mitgenommen, aber da die Türen im Bus sich nicht schließen ließen konnte er noch schnell heraus springen.

Nach 4h aufregender Busfahrt kamen wir endlich im stockdunklen Camp an und unser Bus wurde freudig von den Jugendlichen aus den anderen Städten begrüßt. Das Camp war in zwei typisch afrikanischen Schulgebäuden eingerichtet wurden. Die Schulbänke wurden aus den Gebäuden heraus geräumt und draußen unter zwei riesigen Bäumen mit Blättern größer als mein Kopf für das Essen und die Einheiten aufgestellt. Die Schulräume dienten den Campteilnehmern als Schlafsaal und wurden mit Moskitonetzen und dünnen Matten, die eigentlich nur dem Zweck dienten, dass man nicht im Dreck liegt, ausgelegt. An einem Baum neben der Schule war an einem Strick eine Ziege angebunden, die, so dachte ich, wohl das Camphaustier war. Die Duschen bestanden aus kleinen ca. 1 Quadratmeter großen selbstgebauten Kabinen aus Strohmatten und das Wasser musste man sich selber in einem Eimer holen.

Während des Camps hatten wir jeden Tag andere Aufgaben für die wir in Kleingruppen eingeteilt wurden. So war ich am ersten Tag im Küchenteam eingeteilt. Über zwei offenen Feuern köchelten wir den Mais für das Patt und bereiteten die frischen Fische zu. Meine Aufgabe war es dabei die Fische auszunehmen. Eine echt eher gewöhnungsbedürftige Angelegenheit. Aber immerhin könnte ich jetzt einen Fisch ganz alleine zubereiten auch wenn er nicht aus der Tiefkühltruhe kommt.

An einem anderen Tag war es die Aufgabe meines Teams Wasser zu holen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Da es in so einer abgelegenen Schule keinen Wasseranschluss gibt musste jeden Tag ein Team zum ca. 2 km entfernten Brunnen (der Übrigens von UNICEF-Spendengeldern gebaut wurde) laufen und dort die Eimer mit Wasser füllen und wieder zum Camp tragen. Anscheinend war mein Team sehr verwundert, dass ich diese Aufgabe mitmachen wollte, denn ich wurde am Brunnen bestimmt fünf mal gefragt, ob ich das denn auch wirklich machen wöllte. Als ich dann mein Wasser mit der Fußpumpe auch noch selber pumpen wollte wurde das Wasserholen für die anderen anscheinend zum richtigen Event und meine Teammitglieder machten mit ihren Handys unzählige Fotos, wie ein „Yovo“ Wasser holt.

Wenn man nicht gerade mit seinem Team dabei war eine Aufgabe zu erledigen oder an der ersten wand für den neuen YMCA in Kamina zu bauen lief laute Musik und es wurde getanzt, Karten gespielt oder man ruhte sich aus. Wobei es für uns vier deutsche kaum eine Sekunde gab in der wir uns ausruhen konnten, da ständig Campteilnehmer kamen die mit uns Deutsch lernen wollten (beliebt war der Zungenbrecher „Fischers Fritze“) oder einfach nur ein Selfie mit uns machen wollten.

Der letzte Abend war dann noch einmal, wie so üblich in einem Camp ein ganz besonderer und es gab zur Feier des Tages unser Camphaustier die Ziege zu essen. Danach wurde noch lange Musik gehört gequatscht und es blieb nur sehr wenig Zeit für zum Schlafen übrig.

Am letzten Morgen wurde dann das Camp wieder aufgeräumt und die Schulsäle wieder hergerichtet. Als das alles erledigt war konnten wir uns totmüde in unsere Busplätze fallen lassen und hofften den verlorenen Schlaf nachholen zu können.

Naja, das mit dem Schlaf nachholen wurde dann doch nichts, da nach 10 Minuten fahrt sich der Bus im Schlamm festfuhr und wir alle aussteigen mussten um den Bus da raus zu schieben. Da der Boden aber immer noch zu schlammig war liefen wir bis zur nächsten befestigten Straße dem Bus weiter hinterher, damit er leichter ist und sich nicht so schnell festfährt. Kaum fuhren wir dann wieder 20 Minuten auf der asphaltierten Straße Richtung Lomé hieß es wieder wir sollen aus dem Bus austeigen. Diesmal war der Bus wohl schon wieder kaputt. Während der Bus also zur nächsten Werkstatt gebracht wurde warteten wir Businsassen also am Straßenrand und hofften, dass wir irgendwann noch einmal zurück nach Lomé kommen würden. Nach 2h Wartezeit, die wir uns mit frischen Yams-frites und Bananen von der Straßenverkäuferin, die an diesem Tag mit 50 hungrigen Jugendlichen wohl ihren Jahresumsatz machte, verkürzten, kam dann der Bus frisch aus der Reparatur wieder und es ging für uns weiter nach Lomé. Leider sollten auch diesmal unsere Gebete nicht erhört werden und kurz vor Lomé ging der Bus ein drittes und finales mal kaputt. Diesmal war der Schaden wohl so groß, dass wir uns von unseren Eltern direkt dort abholen lassen sollten. Da natürlich nicht alle Eltern Zeit oder ein Auto hatten gründeten wir Fahrgemeinschaften und so endete meine erste Reise in Togo zu neunt plus Gepäck in dem kleinen Opel meines Gastvaters.

Alles in allem war das „National Camp“, auch wenn viel schief lief und es ziemlich anstrengend war, eine echt tolle Erfahrung. Man konnte erste Freundschaften mit Togolesen schließen, ich konnte glaube ziemlich gut mein Französisch verbessern und ich habe endlich ein bisschen mehr von Afrika, als die Großstadt Lomé gesehen. Ich hoffe, dass in Zukunft noch viele genauso beeindruckende Reisen wie diese folgen werden.

Bis bald Helene

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